KREUZLINGEN: «Ich halte an meinen Vorwürfen fest»

Der deutsche Journalist mit pakistanischen Wurzeln, Shams Ul-Haq, recherchierte im Januar 2016 undercover im Asylzentrum in Kreuzlingen. In einem Artikel der «Sonntagszeitung» erhob er schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitspersonal. Daraufhin zeigten zwei Privatpersonen den Journalisten an. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft wird das Verfahren nun aber einstellen.

Roman Hertler
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Das Empfangs- und Verfahrenszentrum in Kreuzlingen. (Bild: Nana do Carmo)

Das Empfangs- und Verfahrenszentrum in Kreuzlingen. (Bild: Nana do Carmo)

Shams Ul-Haq, das Verfahren gegen Sie wird eingestellt. Sind Sie erleichtert?
Natürlich freue ich mich. Die Einstellung des Verfahrens ist aber auch ein Sieg für den Journalismus an sich und für die Menschlichkeit in der Schweiz. Es ist wichtig, solche Recherchen zu ermöglichen.

Ihnen wurde vorgeworfen,  Sie hätten sich mit falschen Angaben als Asylsuchender ausgegeben und so von Leistungen profitiert, die Ihnen nicht zustanden. Ausserdem haben Sie mit Video- und Tonaufnahmen die Privatsphäre verletzt, weil die betroffenen Personen nicht informiert waren. Was sagen Sie dazu?
Die Vorwürfe gegen mich sind falsch. Die Aufnahmen habe nicht ich gemacht. Ausserdem hat die Staatsanwaltschaft entschieden, dass die Vorwürfe gegen mich ohnehin weniger schwer wiegen, als die Interessen, die ich zu wahren suchte. Mir lagen Hinweise vor, dass es im Asylzentrum in Kreuzlingen zu Übergriffen des Sicherheitspersonals auf Asylsuchende gekommen ist.


Alt Bundesrichter Michel Féraud hat den Fall im Auftrag des Staatssekretariats für Migration (SEM) untersucht. Er kommt zum Ergebnis, dass viele Ihrer Vorwürfe nicht haltbar seien.
Das ist Quatsch. Ich schreibe nur, was ich mit eigenen Augen gesehen habe. Dafür verbürge ich mich. Ich habe dem SEM angeboten, ihnen mehr Beweise vorzulegen. Darauf sind sie nicht eingegangen.

Journalist und Terrorismusexperte Shams Ul-Haq (Bild: pd)

Journalist und Terrorismusexperte Shams Ul-Haq (Bild: pd)

Also ist der Bericht falsch?
Bei gewissen Vorkommnissen kommt Herr Féraud zum Schluss, dass der Einsatz körperlicher Gewalt «grundsätzlich unstatthaft» war. Ausserdem gab er Empfehlungen an das Asylzentrum Kreuzlingen ab: Ausweitung der Präsenz des Betreuungsdienstes auf die Nachtstunden und Weiterbildungen des Sicherheitspersonals im Umgang mit traumatisierten und renitenten Asylsuchenden. Ausserdem wurde ich wegen meiner verdeckten Recherche lediglich von zwei Privatpersonen und nicht von staatlicher Seite her angezeigt. Das spricht für sich.

Sie halten also an Ihren Vorwürfen fest?
Absolut. Ich weiss, was ich mit meinen Augen gesehen habe. Dass ich nach der Veröffentlichung des Artikels angezeigt wurde, gibt mir noch mehr Mut und bestätigt mich in meiner Arbeit.

Sie haben auch mehrere Monate verdeckt in der Winterthurer An’Nur-Moschee recherchiert, die mittlerweile geschlossen wurde.
Ich habe drei Monate in der Moschee gelebt. Ich habe die Behörden früh auf die islamistischen Tendenzen aufmerksam gemacht, die dort herrschten. Die sechs Verhaftungen und die Schliessung der Moschee erfolgten erst viel später. Das ist bedauerlich. Meiner Meinung nach müsste man solche Menschen schon viel früher aus dem Land weisen. Die Gesetze in der Schweiz, aber auch im ganzen Rest Europas sind viel zu lax.

Nachdem bekannt wurde, dass Sie in Winterthur verdeckt recherchiert hatten, gab es Morddrohungen gegen Sie. Weshalb tun Sie sich das an? Was motiviert Sie?
Egal wohin ich auf der Welt reise, überall werden Muslime mit Terroristen gleichgesetzt. Ebenso ergeht es den Deutschen mit den Nazis. Das ist schlicht falsch, und gegen solche Bilder gilt es anzukämpfen. Der Islam ist friedlich. Die Islamisten werfen ein schlechtes Licht auf die ganze Religion. Unter Dschihad verstehe ich Folgendes: Die Menschen müssen aufgeklärt werde. Niemand darf jemand anderem etwas Schlechtes antun. Das ist der wahre Dschihad.