KREUZLINGEN: Drogenfunde nehmen zu

Die Grenzwächter stellen deutlich mehr Drogen sicher als in den Vorjahren. Im November war die Flüchtlingswelle durch Einreisen aus Deutschland auch an der Thurgauer Grenze spürbar.

Silvan Meile
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Die sichergestellten Drogen haben einen Wert von mehreren Millionen Franken. (Bild: Kapo TG)

Die sichergestellten Drogen haben einen Wert von mehreren Millionen Franken. (Bild: Kapo TG)

KREUZLINGEN. Atze heisst der Held der Grenzwächter im Thurgau. Der Drogen-Spürhund hat vergangene Woche am Grenzübergang Kreuzlingen in einem Auto 60 Kilogramm harte Drogen im Wert von rund fünf Millionen Franken gefunden. Dies brachte dem Labrador gestern einen Auftritt an der Jahresmedienkonferenz der Grenzwachtregion II ein. Denn Atze entdeckte bei seinem Rekordfund im noch jungen Jahr mehr als die doppelte Menge an Drogen, die im gesamten Jahr 2015 von der Grenzwachtregion II der Kantone Thurgau, Schaffhausen und Zürich sichergestellt wurde.

Ein Kilo Kokain im Magen

Würde Atzes Fund das Jahr 2015 nicht in den Schatten stellen, wäre auch dieses bezüglich Drogen ein Rekordjahr. Die sichergestellte Menge an Kokain und Amphetamin stieg stark an, sagt Thomas Zehnder, Kommandant der Grenzwachtregion II. Seine Mitarbeiter fanden 12,3 Kilogramm Kokain. Das ist doppelt so viel wie noch im Jahr 2014. Ein ganzes Kilogramm in knapp hundert daumengrossen Paketen wurde allein im Magen eines 26jähriger Nigerianers gefunden, der Grenzwächtern im Oktober in Romanshorn nach dem Verlassen der Fähre aus Friedrichshafen aufgefallen war.

Bei den Amphetaminen stieg die beschlagnahmte Menge gar von 400 Gramm auf 3,2 Kilogramm. «Im Thurgau ist die Zunahme an sichergestellten Partydrogen ein grosses Thema», sagt Kommandant Zehnder. Auch Erhebungen zum Konsum würden hier eine steigende Tendenz zeigen, während sich jener von Kokain und Heroin auf konstantem Niveau halte.

Anzahlmässig stiegen die von den Grenzwächtern aufgedeckten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz von 1855 im 2014 auf 5421 Fälle im vergangenen Jahr markant an.

Migrationsdruck im November

Die Flüchtlingsströme bekamen auch die Thurgauer Grenzwächter zu spüren. Innerhalb von zwölf Stunden muss ihr Grenzwachtkorps in der Lage sein, eine andere Region zu unterstützen, falls dort der Migrationsdruck zu gross wird. Im Sommer mussten die Grenzwächter im Tessin aushelfen, im Herbst verstärkten sie die Kollegen in Buchs. «Bis Oktober lag der Thurgau an keiner Migrationsroute», sagt Thomas Zehnder. Als in Deutschland Fragen zur Flüchtlingspolitik aufkamen, habe das bei den Migranten zu Überlegungen geführt, auf die Schweiz auszuweichen «In relativ grosser Zahl» seien im November plötzlich Flüchtlinge mit Bahn und Fernbussen aus Deutschland angereist. Zehnder zeigt ein Bild einer afghanischen Familie, die ohne Gepäck am Zoll aufgegriffen wurde. «Das sind tragische Geschichten», sagt er. Die rechtswidrigen Einreisen sind so im November sprunghaft auf 2464 angestiegen. «In den Vorjahren lag der Schnitt jeweils bei jährlich rund 400.» Derzeit sei die Situation wieder ruhig.

Viele gefälschte Dokumente

Während die festgestellten Verstösse gegen das Waffengesetz um zwanzig Prozent abnahmen, deckte das Grenzwachtkorps deutlich mehr Dokumentenfälschungen auf.

Der anhaltende Einkaufstourismus beschert vor allem dem Zoll in Kreuzlingen weiterhin viel Arbeit. «Mehr geht nicht», sagt Zehnder. Beispielsweise wird vermehrt versucht, Fleisch in Mengen von mehr als zehn Kilo über die Grenze zu schmuggeln.