Kreisgericht St.Gallen spricht Freund der Familie wegen Kindesmissbrauch schuldig

Ein deutscher Staatsangehöriger wird zu 42 Monaten Haft und einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Er wehrt sich gegen eine stationäre Therapie.

Claudia Schmid
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Das Kreisgericht St.Gallen verurteilt den 49-Jährigen zu einer Haftstrafe von 42 Monaten.

Das Kreisgericht St.Gallen verurteilt den 49-Jährigen zu einer Haftstrafe von 42 Monaten.

Archivbild: Ralph Ribi

Ein 49-jähriger Mann ist vom Kreisgericht St.Gallen wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, harter Pornografie, Schändung sowie Missbrauch von Ausweisen und Schildern verurteilt worden. Seine Strafe umfasst: 42 Monate Haft, eine bedingte Geldstrafe und eine Landesverweisung von zehn Jahren.

Die Haftstrafe wird zu Gunsten einer stationären, therapeutischen Massnahme aufgeschoben. Dem deutschen Staatsangehörigen wird jede berufliche und organisierte ausserberufliche Tätigkeit verboten, die einen regelmässigen Kontakt mit Minderjährigen beinhaltet.

Beschuldigter ist geständig

Der Beschuldigte war ein enger Freund der Familie des Opfers. Ihm wird vorgeworfen, von Juni bis August 2018 während der Abwesenheit der Familie, gemäss Anklageschrift, schwere sexuelle Übergriffe ausgeübt zu haben. Von den sexuellen Handlungen mit dem neunjährigen Mädchen nahm er mehrere Fotos und Videos auf. Zudem wurden auf seinem Computer und einem USB-Stick rund 1100 Bilder und neun Videos mit kinderpornografischem Inhalt gefunden, die er aus dem Internet heruntergeladen hatte.

An der Gerichtsverhandlung war der vierfache Vater geständig. Trotzdem wehrte er sich gegen eine stationäre, therapeutische Massnahme.

Sein Fehlverhalten sei ihm bewusst und er wisse, was er tun müsse, damit nicht nochmals Ähnliches passiere, erklärte er.

Deswegen bevorzuge er den normalen Strafvollzug. Sowohl die Staatsanwältin als auch der Rechtsvertreter des Opfers waren von der Einsicht des Beschuldigten nicht überzeugt. Sie sei nur vordergründig vorhanden. Die Gefahr einer Wiederholungstat sei gegeben, weshalb man eine stationäre, therapeutische Massnahme anordnen müsse.

Tatbestandsmerkmale der Schändung gegeben

Das strafbare Verhalten sei inakzeptabel und deshalb zu bestrafen, erklärte der Verteidiger. Hingegen plädierte er gegen einen Schuldspruch der Schändung und gegen die Anordnung einer Massnahme. Im vorzeitigen Strafvollzug habe der Beschuldigte sich auf eine Therapie eingelassen, wobei er zur Überzeugung gelangte, dass er diese nicht brauche und sich nicht weiterhin therapieren lassen möchte.

Das Kreisgericht St. Gallen kam zum Schluss, dass der Tatbestand der Schändung gegeben ist, da das Opfer aufgrund seines Alters und seines Entwicklungsstandes besonders schutzbedürftig war. Es zeigte sich auch überzeugt, dass der Beschuldigte eine therapeutische Massnahme benötigt.

Fahrzeugausweis nicht deponiert

Zum Schuldspruch wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern kam es, weil der Mann der Aufforderung zur Deponierung seines Fahrzeugausweises und der entsprechenden Kontrollschilder nicht nachgekommen war. Der Beschuldigte bestritt, das Schreiben der Motorfahrzeugkontrolle erhalten zu haben, da er damals bereits in Untersuchungshaft gewesen sei.

Die Kosten des Untersuchungsverfahrens und der Gerichtsverhandlung belaufen sich auf rund 30000 Franken, die der Beschuldigte zu zahlen hat. Ausserdem verpflichtete ihn das Gericht, dem Opfer eine Genugtuungssumme zu zahlen.