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KREISGERICHT ST.GALLEN: Mehrjährige Haftstrafen für St.Galler Mutter und Liebhaber, die vierjähriges Kind missbrauchten

Das Kreisgericht St.Gallen hat im Fall des schweren Kindsmissbrauchs das Urteil veröffentlicht. Die geständige Mutter muss vier Jahre und drei Monate im Gefängnis verbüssen, der Liebhaber fünf Jahre. Er hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.
Claudia Schmid
Nach einem schweren Fall von Kindsmissbrauch muss die Mutter vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis, der Liebhaber der Mutter für fünf Jahre. (Bild: Getty (Symbolbild))

Nach einem schweren Fall von Kindsmissbrauch muss die Mutter vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis, der Liebhaber der Mutter für fünf Jahre. (Bild: Getty (Symbolbild))

Die 31-jährige Schweizerin und der 53-jährige deutsche Staatsangehörige erhielten Schuldsprüche wegen sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie. Die Frau verurteilte das Gericht zusätzlich wegen mehrfacher Verletzung der Fürsorgepflicht, den Mann zusätzlich wegen mehrfacher Anstiftung zu sexuellen Handlungen mit einem Kind und zur Pornografie.

Da sie sich seit September 2015 im vorzeitigen Strafvollzug befindet, hat die Beschuldigte die erhaltene Strafe von vier Jahren und drei Monaten teilweise schon verbüsst. Den Liebhaber hat das Kreisgericht St.Gallen zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Therapie und Berufsverbot

Beide Beschuldigten müssen sich auf gerichtliche Anordnung einer vollzugsbegleitenden ambulanten Therapie unterziehen. Zudem ist es ihnen untersagt, während der Dauer von zehn Jahren einer beruflichen oder ausserberuflichen Tätigkeit nachzugehen, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst. Dem Opfer sprach das Gericht Schadenersatz in noch nicht bestimmter Höhe und eine Genugtuungssumme von 40‘000 Franken zu. Die Kosten der Gerichtsverhandlung betragen für die Frau rund 63‘000 Franken, für ihn rund 81‘000 Franken. Diese müssen die Beschuldigten bezahlen.

Mit den Schuldsprüchen und der Sanktion folgte das Kreisgericht St.Gallen in etwa den Anträgen der Staatsanwaltschaft, doch erhöhte es das Strafmass für die Mutter um neun Monate. Die Verteidigerin der Frau hatte keine Einwände gegen sie vorgebracht. Der Verteidiger des Mannes verlangte hingegen mehrere Freisprüche und eine bedingte Haftstrafe von zehn Monaten. Die Sicht der Anklage, sein Mandant sei das Monster und die Frau ihm willenlos unterstellt, sei falsch, hatte er argumentiert. Der Beschuldigte sei zwar kein Unschuldslamm, doch habe er das Kind nie angerührt. Haupttäterin sei die Mutter.

Als Sexspielzeug missbraucht

Die Mutter und ihr Liebhaber hatten die vierjährige Tochter der Frau zur "Sexsklavin" für den Liebhaber erziehen wollen. Sie war an der Gerichtsverhandlung vom Donnerstag, 15. März, geständig. Der Mann hatte die meisten der an ihn gerichteten Vorwürfe abgestritten.

Sie könne heute nicht mehr verstehen, weshalb sie ihre Tochter sexuell missbraucht habe, erklärte die Frau in der Befragung des vorsitzenden Richters. Sie habe in einer verzerrten Realität gelebt, sei ihrem Liebhaber völlig hörig gewesen und habe wirklich geglaubt, dass ihr Handeln für das Kind gut sei. Die 31-jährige hatte vom Missbrauch Bilder gemacht und dem Beschuldigten geschickt. Das meiste sei auf Anweisung des Beschuldigten geschehen, einiges auf ihre Initiative hin, da sie ihn weiter an sich habe binden wollen. Sie habe eindeutig ihre Fürsorgepflichten gegenüber ihrer Tochter verletzt, betonte die Frau weiter. Sie habe sie alleine gelassen, wenn sie Freier bedient habe, um dem Liebhaber Geld geben zu können.

"Abstrahierte“ Fantasien

Der 53-jährige Beschuldigte stritt die meisten Vorwürfe ab. Er und die Beschuldigte hätten eine intensive sexuelle Beziehung ausgelebt, in der Sadomasochismus eine Rolle gespielt habe. Mit dem sexuellen Missbrauch des Mädchens habe er nichts zu tun. Für diesen sei allein die Mutter verantwortlich. In den Chatnachrichten, die sie ausgetauscht hätten, habe er über keine realen Absichten geschrieben, sondern über "abstrahierte Fantasien“. Die Frau habe ihm ungefragt Bilder von ihrer Tochter geschickt. Er habe sie nur nicht explizit zurückgewiesen, um ihre sexuelle Beziehung nicht zu gefährden.

Der Staatsanwalt hatte die Unschuldsbeteuerungen des deutschen Staatsangehörigen als reine Schutzbehauptung bezeichnet. Bei diesem Straffall handle es sich um einen unvorstellbaren Kindsmissbrauch, bei dem die Mutter und ihr Liebhaber das Kind als Sexspielzeug eingesetzt und missbraucht hätten. Das Kind habe schwere psychische Schäden erlitten, betonte die Rechtsvertreterin.

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