Kreisgericht St.Gallen
Drei Männer wegen Schändung angeklagt: Verteidigung verlangt Freisprüche

Das Kreisgericht St.Gallen setzte am Freitag den Prozess wegen Schändung gegen drei Männer fort. Die Verteidigung verlangte Freisprüche. Das Urteil steht noch aus.

Claudia Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Der Fall wurde vor dem Kreisgericht St.Gallen.

Der Fall wurde vor dem Kreisgericht St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Nachdem am ersten Prozesstag die Befragung der drei Beschuldigten, der Privatklägerin und von Auskunftspersonen auf dem Programm stand, plädierten am Freitag die Staatsanwältin, die Rechtsvertreterin der jungen Frau und die Verteidigung der beiden somalischen und des äthiopischen Staatsangehörigen. Die Anklage forderte Freiheitsstrafen zwischen zehn und zwölf Jahren und eine Landesverweisung von 15 Jahren, die Verteidigung Freisprüche von den Hauptanklagepunkten.

Entscheid mit fatalen Folgen

Die Privatklägerin habe am 25. Juni 2018 aufgrund einer tiefen Krise einen fatalen Entscheid gefällt, indem sie sich in der Stadt St.Gallen auf die Suche nach Kokain gemacht habe und schliesslich auf die Beschuldigten getroffen sei, erklärte die Staatsanwältin. Glaubhaft habe sie nach der Anzeige bei der Polizei erklärt, dass sie in der Wohnung des einen Beschuldigten von allen drei Männern vergewaltigt worden sei. Sie habe sich aufgrund intensiven Alkohol- und Kokainkosums hinlegen müssen. Es sei ihr körperlich so schlecht gegangen, dass sie sich gegen den ungewollten Sex nicht habe wehren können.

Ein Gutachten attestiere, dass die Frau das Kerngeschehen in den Befragungen übereinstimmend und ohne relevante Widersprüche erzählt habe. Es gebe keine Anhaltspunkte für bewusste oder unbewusste Falschbezichtigungen. Demgegenüber hätten sich die Aussagen der Beschuldigten während des Verfahrens mehrfach geändert. Teilweise hätten sie zunächst bestritten, überhaupt in der Wohnung gewesen zu sein und mit der jungen Frau Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Später hätten sie dann zwar den sexuellen Kontakt zugegeben, jedoch behauptet, er sei von der Frau ausgegangen und einvernehmlich gewesen.

Die Rechtsvertreterin der Privatklägerin verlangte für ihre Mandantin eine Genugtuungssumme. Auch sie bezeichnete die Aussagen der Beschuldigten als höchst widersprüchlich. Sie hätten sich gegenseitig belastet, sich selber aber als unschuldig bezeichnet. Vehement prangerte sie an, dass einer der Verteidiger am Vortag der Privatklägerin indiskrete Fragen zu ihrem Sexualleben gestellt hatte. Die Folgen der Schändung seien für die junge Frau schwerwiegend. Sie habe sich wiederholt in psychiatrische Behandlung begeben müssen.

Verteidiger verlangen Freisprüche

Der Verteidiger des 31-jährigen Somaliers beantragte Freisprüche vom Vorwurf der Schändung, der rechtswidrigen Einreise und der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzes. Er sei wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Busse von 300 Franken zu verurteilen. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.

Sein Mandant habe eine traumatisierende Jugend und Flucht aus der Heimat erlebt. Der verheiratete Familienvater habe es insofern geschafft, indem er in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung und eine Arbeit erhalten habe. Eine einzige Partynacht habe alles zunichte gemacht und seinen Mandanten in tiefe Verzweiflung gestürzt. Nur mit viel Glück habe er in der Untersuchungshaft einen Suizidversuch überlebt.

Es sei nicht nachgewiesen, dass die junge Frau tatsächlich durch den Alkohol- und Kokainkonsum widerstandslos gewesen sei. Selfies, WhatsApp-Nachrichten und eine Videoaufnahme sprächen gegen die These der Widerstandsunfähigkeit. Die Frau habe den Geschlechtsverkehr als Teil der wilden Partynacht aktiv gesucht und gewollt.

Verteidigung kündigt Berufung an

Ähnlich argumentierten der Verteidiger des 24-jährigen Äthiopiers und die Verteidigerin des 25-jährigen Somaliers. Es sei eine Erfahrungstatsache, dass Leute unter Alkohol- und Drogeneinfluss Dinge machten, die sie später bereuten, erklärte der Verteidiger, der für seinen Mandanten einen vollumfänglichen Freispruch forderte. Dies könne der Beweggrund der Frau für die Anzeige gewesen sein.

Die Verteidigerin beantragte, ihr Mandant sei einzig wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Busse von 600 Franken zu verurteilen. Er sei sofort aus dem vorzeitigen Strafvollzug zu entlassen. Ihm hatte die Staatsanwaltschaft auch die Vergewaltigung einer 16-jährigen Bekannten vorgeworfen. Alle Rechtsvertreter verlangten für den entstandenen Schaden durch die Untersuchungshaft eine angemessene Genugtuungssumme für ihre Mandanten. Angekündigt wurde zudem, dass im Falle eines Schuldspruchs wegen Schändung Berufung erhoben werde.

Urteil wird mündlich eröffnet

In den Schlussworten betonten die drei Beschuldigten, eine Verurteilung und Landesverweisung werde ihr Leben zerstören. In ihrem Heimatland gebe es keinerlei Zukunft für sie. Das Urteil wird in einigen Tagen mündlich eröffnet.