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Das Geld der alten Dame: 250'000 Franken veruntreut

Das Kreisgericht verurteilt eine 72-Jährige wegen Anstiftung zu ungetreuer Geschäftsführung.
Claudia Schmid
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Beschuldigte sich Geld einer betagten Dame im Wert von 250'000 Franken erschlichen hat. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Beschuldigte sich Geld einer betagten Dame im Wert von 250'000 Franken erschlichen hat. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine 72-jährige Frau stand wegen ungetreuer Geschäftsführung und Anstiftung dazu vor dem Kreisgericht St.Gallen. Dieses sprach die Frau der Anstiftung schuldig. Die Schweizerin bestritt die Vorwürfe ve­hement und erklärte in ihrer Verteidigung, die St.Galler ­Behörden seien von einer Sekte unterwandert. Vor dieser Sekte habe sie das Geld der mutmasslich geschädigten Frau retten wollen.

Die Staatsanwaltschaft warf der Angeklagten vor, sie habe das Vertrauen zweier älterer Damen erschlichen und dieses schamlos ausgenutzt. Sie war überzeugt davon, dass die Beschuldigte von einer der beiden Frauen Geld im Wert von über 800000 Franken veruntreut hat. Die betreffenden Transaktionen wurden im Zeitraum zwischen Januar 2009 und August 2011 durchgeführt. Die mutmasslich Geschädigte ist 2015 verstorben.

Die Anklage forderte wegen ungetreuer Geschäftsführung und Anstiftung dazu eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, eine Busse von 6000 Franken und eine Ersatzforderung in der Höhe des Deliktsbetrags, der auf 835391 Franken beziffert wurde. Die Beschuldigte habe gegen den Willen der Verstorbenen mehrfach Geld von einem Schweizer Konto auf eine Bank im Fürstentum Liechtenstein transferiert, erklärte der Staatsanwalt.

Im Einverständnis mit der Geschädigten

Die 72-Jährige machte geltend, sie habe im Einverständnis mit der vermögenden Dame gehandelt. Diese habe ihr einen Teil des Geldes angeblich überlassen, um es im Kampf gegen eine Sekte einzusetzen, welche gemäss der Angeklagten die St.Galler Behörden unterwandert habe. In Tat und Wahrheit habe sie mit dem Geld aber auch ihr eigenes Erwerbseinkommen finanziert.

Von Sekte unter Druck gesetzt

Die Beschuldigte bestritt, eigenmächtig und eigennützig gehandelt zu haben. Sie hatte über mehrere Jahre eine eigene Firma betrieben, mit der sie eine Art spitalexterne Dienstleistungen anbot und die in der Zwischenzeit in Konkurs gegangen ist. Heute lebe sie von den Zuwendungen einiger Leute, die sie im Kampf gegen Ungerechtigkeit unterstützten, erklärte sie in der Befragung des vorsitzenden Richters. Diese zahlten unter anderem auch die Miete ihrer Wohnung.

Die Vorwürfe gegen sie bezeichnete sie als haltlos. Als sie die beiden älteren Damen kennen gelernt habe, sei vor allem die eine völlig verängstigt gewesen. Leute aus dem Umfeld einer Sekte hätten sie unter Druck gesetzt. Nur um das Geld zu retten, habe sie es auf eine Bank in Liechtenstein transferiert. Dort habe sie es zur Sicherheit auf mehrere Banksafes verteilt. Nicht sie habe nach dem Tod diese Safes geleert. Das seien andere gewesen. Ungeachtet des Ausgangs der Gerichtsverhandlung werde sie sich weiterhin für einfache Bürgerinnen und Bürger einsetzen, die in die Fänge eines staatsfeindlichen Netzwerks geraten seien.

Verteidigung will Freispruch

Die Verteidigerin forderte Freisprüche von allen Anklagepunkten. Die beiden älteren Damen hätten vollstes Vertrauen in ihre Mandantin gehabt und ihr die Vollmachten aus freien Stücken erteilt. Die Verstorbene sei urteilsfähig gewesen, als sie der Beschuldigten Geld für den Kampf gegen Ungerechtigkeit überlassen habe.

Das Kreisgericht St.Gallen fällte schliesslich einen Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung, sprach sie aber der Anstiftung dazu schuldig. Es verurteilte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 80 Franken und zu einer Ersatzforderung an den Staat von 250'000 Franken. Bis auf die erste der Transaktionen gebe es keine Hinweise, dass die Verstorbene nicht mit den Überweisungen einverstanden gewesen sei, da sie alle mit ihrer Unterschrift versehen seien, erklärte der vorsitzende Richter zum Urteil.

Anders sehe es mit der ersten Transaktion über 250'000 Franken aus. Dort habe die Mitbewohnerin unterschrieben. Damit gehe das Gericht davon aus, dass die in der Zwischenzeit Verstorbene keine Kenntnis davon gehabt habe. Zudem sei das Geld auf das Konto der Beschuldigten überwiesen worden.

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