Kreisgericht Rorschach
Schwarz angemalt «Mohrenköpfe» feilgeboten: Heute steht der Mann wegen Rassendiskriminierung vor Gericht

Ein Imbissunternehmer hat vergangenen Sommer in Rorschach schwarz bemalt «Mohrenköpfe» der Firma Dubler verkauft – und sich einen Strafbefehl wegen Rassendiskriminierung eingehandelt. Weil er diesen nicht akzeptiert, kommt es zur Verhandlung.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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«Wer sind denn meine Kunden, wenn ich ein Rassist sein soll?»: Imbissunternehmer Markus Heim verkaufte in Rorschach schwarz angemalt innert zwei Stunden 350 «Mohrenköpfe». Nun wehrt er sich gegen einen Strafbefehl.

«Wer sind denn meine Kunden, wenn ich ein Rassist sein soll?»: Imbissunternehmer Markus Heim verkaufte in Rorschach schwarz angemalt innert zwei Stunden 350 «Mohrenköpfe». Nun wehrt er sich gegen einen Strafbefehl.

Bild: PD

In einen goldenen Umhang gehüllt, schwarz bemalt, mit blauen Gummihandschuhen und einer Kraushaarperücke auf dem Kopf stand der Mann Mitte Juni hinter seinem Verkaufsstand, den er in Rorschach auf einem Firmengelände aufgebaut hatte. «Herzlich willkommen – Original Mohrenköpfe!» prangte in fetten Lettern auf einem Schild. Rund 350 «Mohrenköpfe» der Firma Dubler verkaufte er innert zwei Stunden («Tagblatt» vom 19. Juni).

Die Aktion hat ein juristisches Nachspiel. Im September erhielt der «Mohrenkopf»-Verkäufer einen Strafbefehl wegen Verstosses gegen die Rassismusstrafnorm. «Mit der Verkleidung in Kombination mit dem bereits intensiv in der Rassismusdebatte besprochenen Produkt» habe der Mann damit rechnen müssen, «dunkelhäutige Menschen zu diskriminieren und zu beleidigen», schreibt die Staatsanwaltschaft. Zumindest habe er dies mit seiner Standaktion in Kauf genommen. Die Staatsanwaltschaft verhängte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Franken, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Im Vorfeld der strittigen Standaktion hatte der Detailhandelsriese Migros «Mohrenköpfe» der Firma Dubler aus ihrem Sortiment genommen, weil er die Bezeichnung vor dem Hintergrund der Black-Lives-Matter-Proteste als provokativ empfand. Am 25. Mai war in Minneapolis der Afroamerikaner George Floyd bei einer gewaltsamen Festnahme durch Polizisten getötet worden, was heftige Proteste in den USA und auch eine Rassismusdebatte in der Schweiz auslöste.

Beschuldigter will ein Urteil

Der «Mohrenkopf»-Verkäufer akzeptiert den Strafbefehl nicht. Gegenüber dieser Zeitung gab er an, die Süssigkeiten ohne rassistischen Hintergedanken feilgeboten zu haben. «Wegen ein bisschen Farbe im Gesicht muss man nicht so ein Drama machen.» Er finde es ausserdem daneben, dass die Staatsanwaltschaft den Fall George Floyds heranziehe, um ihn für seine Standaktion zu belangen. Er habe den Strafbefehl einem ehemaligen Untersuchungsrichter gezeigt und dieser sei der Ansicht gewesen, dass sich etwas machen liesse. Auch sein Umfeld habe ihn in seinem Entscheid bestärkt. «So etwas musst du dir nicht gefallen lassen», habe man ihm gesagt. Er wolle nun ein Urteil.

So lautet die Rassismusstrafnorm

Seit 1995 schütz die Strafnorm gegen Rassismus (Art. 261bis StGB) vor Diskriminierung. Demnach wird unter anderem mit Freiheits- oder Geldstrafe bestraft, wer «öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert, oder aus einem dieser Gründe Völ­kermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost oder zu rechtfertigen sucht.» Den vollständigen Gesetzesartikel finden Sie hier. Rassismus ist ein Offizialdelikt. Somit ermittelt die Staatsanwaltschaft bei Kenntnis eines Vergehens von Amtes wegen. (al) 

Im Juni füllte die besagte Verkaufsaktion die Kommentarspalten der sozialen Medien. Gegenüber dieser Zeitung bezeichnete Rorschachs Stadtschreiber Marcel Aepli die Aktion als «einfach deplatziert». Auch Süssigkeitenfabrikant Robert Dubler, der sich seit Jahren gegen eine Umbenennung seiner «Mohrenköpfe» sträubt und dessen Produkt der Rorschacher Unternehmer vorgab zu bewerben, fand die Aktion «daneben». Rorschachs ehemaliger Stadtpräsident Thomas Müller (SVP) hingegen sagte gegenüber dem «Blick»: «Ich fand es noch lustig.» Ein politisches Statement sehe er darin nicht.

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