Kreisgericht
Mit dem Töff durchs Schutzgebiet geknattert

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilt einen Motocrossfahrer, der bei Palfries durchs Schutzgebiet Sennis-Malun gebrettert ist. Gestanden hat er, zeigte aber weder Einsicht noch Reue.

Reinhold Meier
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Kein Plan, keine Absicht,«man sei halt mal losgefahren», sagt der Angeklagte.

Kein Plan, keine Absicht,«man sei halt mal losgefahren», sagt der Angeklagte.

Bild: Keystone/Francesco Buttitta

Der Töffhändler aus dem Walenseegebiet wollte einem Kunden im vorletzten Sommer mal was ganz Besonderes bieten. Statt seine Motocrossmaschine im Laden zu präsentieren, durfte es eine juchzige Ausfahrt sein. So geriet man nach Azmoos und später, nach einem Pausenstopp im Berghaus Gonzen, nach Palfries, wo ein grosser Wanderparkplatz das Ende der fahrerischen Fahnenstange anzeigt. Doch ans Abstellen dachten weder Fahrer noch Sozius, im Gegenteil. Die zwei knatterten weiter nach Strahlrüfi, das Fahrverbot störte sie nicht. Im «Älpli» kehrt man nochmals ein. Neun Uhr am Abend war da schon vorbei, die Dämmerung nahte. Und weil die Strecke zum Walensee über Sennis nun plötzlich lockender schien, als der Rückweg auf der langweiligen Anfahrtsroute, trat man gleichsam die Flucht nach vorne an.

Der Angeklagte gab jedenfalls Gas und ratterte auf weglosem Gelände zum Schutzgebiet Malun hinunter, das mit einer Mauer eingefriedet ist. Dort öffnete er die Tür, fuhr durch und zog erneut am Gashebel. So ging es weiter, bis man bei der Alp Castilu endlich den Alpweg zum Berggasthof Sennis erreichte. Auf der Strasse nach Berschis folgte schliesslich die Überraschung. Vier Polizisten und ein Wildhüter warten die Töfflifahrer ab. «Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher», nervte sich der Angeklagte an Schranken.

Eidgenoss ohne Ausweis?

Das Gebiet Palfries kenne er gut, von einem Schutzgebiet sei ihm aber nichts bekannt, gab er ungerührt zu Protokoll. Das Ganze habe sich so ergeben. Kein Plan, keine Absicht, man sei halt mal losgefahren. Das Fahrverbot nach Palfries habe man gesehen, aber – na ja. Und nach dem Älpli habe es echt Spuren gegeben.

«Da fahren doch Traktoren und Quads!»

Und die Verbotstafel beim Schutzgebiet? Die habe er wohl übersehen. Ob er denn nicht an die gefährdeten, lärmempfindlichen Rauhfusshühner gedacht habe, wollte der Richter wissen. «Da laufen auch Kühe und Geissen rum», meinte er. «Und warum ohne Führerausweis?», hakte der Richter nach. «Brauche ich nicht, ich bin Eidgenoss.» Und das gefälschte Kontrollschild? Der fehlende Versicherungsschutz? «Ich hatte eine Versicherung und das Schild war nur aus Versehen dran», wandte er sich, obschon seine Versicherung mehrfach das Gegenteil attestiert hatte. Im Übrigen wolle er jetzt «kein Theater» mehr. Er zahle und gut sei.

Beim Urteil nur trocken geschluckt

Sein Anwalt plädierte dafür, vier Anklagepunkte fallen zu lassen, weil sie nicht erstellt seien. So habe er das falsche Kontrollschild zwar genutzt, aber nicht selbst gefälscht. Ebenso sei das Fahren ohne Versicherung und die Übertretung der Naturschutzverordnung unbelegt. Es blieben nur kleinere Übertretungstatbestände wie die Verletzung des Fahrverbots, das Fahren ausserhalb von Strassen und das Vergessen des Führerausweises. Dafür sei eine bedingte Geldstrafe von 1500 Franken ausreichend und eine Busse von 250 Franken. «Der Staatsanwalt will hier doch ein Exempel statuieren», mahnte er.

Die Anklage forderte 60 Tagessätze, bedingt auf zwei Jahre und eine Busse von 1800 Franken. Das Urteil fiel in diesem Sinne. Das Gericht verhängte eine Busse von 1200 Franken und eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 170 Franken. Wie viel das sei, wollte er wissen. 10'200 Franken. Da war erstmals Schweigen auf der Anklagebank. Zumal das Gericht die Probezeit von zwei auf drei Jahre hochgesetzt hat. «Sie haben sich hier als Opfer inszeniert, völlig uneinsichtig, ohne Bedauern und tun so, als ob ihnen die Regeln egal sind.» Natürlich sei er kein Schwerverbrecher, sondern habe einen Seich gemacht, aber dafür grad stehen und den Fehler einsehen, wäre auch eine Möglichkeit, hiess es weiter.

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