KREISGERICHT: Kesb-Mitarbeiterin mit dem Tod bedroht

Ein Grieche hatte seine Mutter aus ihrer Gossauer Wohnung in seine Heimat entführt und ihrer Beiständin mit Mord gedroht. Wegen Schuldunfähigkeit wurde er freigesprochen.

Ostschweiz@tagblatt.ch
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Das Kreisgericht St. Gallen stellte in seinem Urteil fest, dass der 52-jährige Grieche die Tatbestände der mehrfachen Beschimpfung, Drohung, Entführung und versuchten Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte erfüllt hat. Der Mann, der an einer paranoiden Schizophrenie leidet, sei jedoch schuldunfähig und deshalb freizusprechen. Hingegen ordnete das Gericht eine ambulante Massnahme an. Dabei handelt es sich um regelmässige Hausarztbesuche, bei denen ihm jeweils ein Depot- medikament injiziert wird. Zudem erhält der Beschuldigte die Weisung, in einem Wohnheim zu leben und die Hausregeln zu befolgen, auf den Konsum von Cannabis und anderen Drogen zu verzichten, Alkohol nur nach Angaben der Heimmitarbeitenden zu geniessen und Reisen mit seiner Mutter nur mit Bewilligung der Beistände und unter Begleitung einer Fachperson zu unternehmen.

Sohn wollte Unterbringung im Heim verhindern

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, dass er Ende Januar 2016 seine Mutter in ihrer Gossauer Wohnung abholte und mit nach Griechenland reiste. Zu diesem Zeitpunkt hatte die betagte Frau bereits einen Beistand und war laut Anklageschrift urteilsunfähig. Der Beschuldigte habe beabsichtigt, mit seiner Mutter für immer in seiner Heimat zu bleiben, um die Heimunterbringung zu verhindern, welche die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb beabsichtigte. Am 18. Februar kamen er und seine Mutter allerdings wieder zurück in die Ostschweiz. Zuvor hatte er der Beiständin massiv gedroht. Setze sie sich weiterhin für einen Heimeintritt ein, habe sie ihr Todesurteil unterschrieben. Es werde Mord und Totschlag geben.

Der Beschuldigte stimmte den Vorwürfen grundsätzlich zu, doch stimmten sie nicht im Detail. Seine Mutter habe ihn inständig gebeten, dass er sie nach Griechenland bringe, erklärte er. Sie habe ihn regelrecht mit ihrem Wunsch gelöchert. In Griechenland sei es ihm dann nicht gut gegangen. Er habe Schmerzen gehabt und sei deshalb zusammen mit der Mutter nach drei Wochen wieder zurückgekehrt.

Mit der ambulanten Massnahme samt Medikation erklärte sich der Mann einverstanden. Im Heim aber fühle er sich unwohl und in seiner Freiheit eingeschränkt. Er wolle viel lieber alleine leben, damit er seine Ruhe habe.

Regelmässige Medikation und Überwachung

In den Ausführungen von Anklage und Verteidigung ging es vor allem um die richtige Massnahme für den Beschuldigten. Der ärztliche Gutachter habe klar empfohlen, dass er in einem Wohnheim lebe, da er dort die notwendige Betreuung erhalte, falls er wieder psychotisch werde, erklärte der Staatsanwalt. Dadurch könne verhindert werden, dass es zu weiteren Vorfällen komme. In der Vergangenheit habe er aufgrund seiner Erkrankung immer wieder Drohungen ausgestossen. Seinem Mandanten gegen seinen Willen die Weisung zu erteilen, im Wohnheim leben zu müssen, sei eine harte Massnahme und schränke ihn in seiner Freiheit massiv ein, betonte der Verteidiger. Die regelmässige Medikation und Überwachung sei auch an einem weniger abgelegenen Ort wie dem Männerheim gesichert. Möglich seien beispielsweise betreutes Wohnen und Arbeiten an einem geschützten Arbeitsplatz.

Der Einzelrichter am Kantonsgericht folgte den Anträgen der Anklage. Er betonte aber, dass das Urteil nicht zwingend bedeute, dass der Beschuldigte für immer im Heim bleiben müsse. Die Behörden seien verpflichtet, Massnahme samt Weisungen jährlich zu überprüfen.

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch