KREISGERICHT: Dämon gesehen, Tötung geplant

Ein psychisch kranker Mann hat im Wahn einen Dämon in Gestalt einer jungen Frau gesehen. Er glaubte, sie töten zu müssen, um nicht in die Hölle zu kommen. Der Plan misslang.

Claudia Schmid
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Claudia Schmid

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Der 23-jährige Schweizer stand am Donnerstag vor dem Kreisgericht St. Gallen. Er bestätigte alle ihm zur Last gelegten Vorwürfe. Er sei froh, dass sein Mordplan nicht aufgegangen sei, erklärte er dem Richtergremium. Heute wisse er, dass er die Stimmen nur gehört habe, weil er vorher LSD genommen habe. In der Zwischenzeit sei ihm Gott wahrhaftig erschienen. Er wisse nun, dass er in den Himmel und nicht in die Hölle komme.

Der Beschuldigte befand sich 2014 mehrere Monate in einer psychiatrischen Klinik. Nach seiner Entlassung traf er sich im Februar 2015 mit einer jungen Frau, die ebenfalls Patientin in der Klinik war. Sie verbrachten eine Nacht zusammen. Am folgenden Tag hatte der Mann Wahnvorstellungen. Nach seinen Angaben erschienen ihm der Teufel und die junge Frau mit einer Dämonenfratze. Er habe mit Gott einen Deal geschlossen. Er habe ihm versprochen, den Dämonen zu töten, um dafür in den Himmel und nicht ins Fegefeuer zu kommen.

Die Tat als Video aufnehmen

In Konstanz kaufte er sich eine Schreckschusspistole und gab sie zusammen mit einem Dolch bei seinem ehemaligen Schulkollegen zur Aufbewahrung. Am 20. Februar holte er sie wieder ab und machte sich auf den Weg zum Wohnort der jungen Frau. Mit dem Dolch beabsichtigte er, die Frau zu köpfen und davon ein Video aufzunehmen. Er war sich sicher, dass der abgetrennte Kopf noch in die Kamera sprechen würde. Für ihn wäre dies der Beweis gewesen, dass die Frau tatsächlich ein Dämon ist. Er plante, anschliessend auf den St. Galler Marktplatz zu gehen und dort Kopf und Video der Öffentlichkeit zu präsentieren. Um Aufmerksamkeit zu erhalten, wollte er mit der Schreckschusspistole herumballern. Zur Ausführung der Tat kam es glücklicherweise nicht, da ihn die Polizei aufgriff und trotz Fluchtversuch festnahm.

Nach der Festnahme verfügte der Amtsarzt eine fürsorgerische Unterbringung in der Psychiatrischen Klinik Wil. Dort randalierte er und traktierte zwei Klinikangestellte mit Faustschlägen. Einer zog sich Rissquetschwunden an der Oberlippe und eine Zahnverletzung zu, der andere eine Prellung am linken Jochbeinbogen.

Schwere psychische Störung

Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann im abgekürzten Verfahren an. Im Zentrum der strafrechtlichen Sanktionen stehe eine stationäre therapeutische Massnahme nach Artikel 59 StGB (die sogenannte «kleine Verwahrung»), betonte der zuständige Staatsanwalt. Ein psychiatrisch-forensisches Gutachten bestätige beim Beschuldigten eine psychische Störung in «sehr schwerem Ausmass». Unbehandelt und in Freiheit seien Straftaten gegen Leib und Leben «mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit» zu erwarten. Das Kreisgericht St. Gallen erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Damit wurde der junge Mann wegen Schuldunfähigkeit vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen zu vorsätzlicher Tötung freigesprochen. Schuldig erklärte ihn das Gericht wegen Vergehens gegen das Waffengesetz und Gewalt und Drohung gegen Beamte. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zu einer stationären therapeutischen Massnahme nach Artikel 59 StGB. Damit bleibt der Beschuldigte auf eine vorerst unbestimmte Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.