KRANKMELDUNGEN: Im Bett statt an der Kasse

Der Obi-Baumarkt St.Gallen musste kürzlich wegen der Grippewelle auf drei Viertel der Mitarbeiter verzichten. Auch andere Ostschweizer Betriebe sind – wenn auch weniger stark – von Ausfällen betroffen.

Mengia Albertin
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Viele Ostschweizer Unternehmen sind von krankheitsbedingten Ausfällen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. (Bild: Keystone)

Viele Ostschweizer Unternehmen sind von krankheitsbedingten Ausfällen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. (Bild: Keystone)

Mengia Albertin

mengia.albertin@tagblatt.ch

Gute Nachrichten: Die Grippewelle in der Schweiz soll endlich abklingen. Dies berichtete gestern der Nachrichtendienst sda. Vielen Regionen macht die Grippewelle aber immer noch stark zu schaffen. In vielen Betrieben fällt das Personal aus – in einigen mehr als sonst zur Grippezeit.

Der Obi-Baumarkt in St. Gallen etwa wird zurzeit von einer hohen Anzahl an Arbeits-Ausfällen geplagt und machte deswegen in den vergangenen Tagen Schlagzeilen. Fast drei Viertel des Personals sollen letzte Woche laut FM1 Today ausgefallen sein. Marktleiter Werner Allenspach sagte gegenüber FM1 Today, dass sich das Personal «im Zweiminutentakt» krank melde. Sei ein Mitarbeiter gesund, werde gleich der nächste krank. Natalie Brägger, Mediensprecherin von Migros Ostschweiz, bestätigte die hohe Anzahl an Ausfällen; Obi gehört zu Migros Ostschweiz. Diese Woche fehle noch immer rund die Hälfte des Personals. Das Unternehmen organisierte in der Zwischenzeit Unterstützung. Am stärksten seien in der St. Galler Obi-Filiale die Kassen und die Gartenabteilung betroffen. Brägger sagt, sie erinnert sich an keinen vergleichbaren Fall in den letzten Jahren.

Auch bei Coop und Jumbo mehr Krankheitsfälle

Bei Coop liege die Anzahl der krankheitsbedingten Ausfälle etwas über dem Durchschnitt für diese Jahreszeit, sagt Mediensprecher Markus Brunner. «Die Grippewelle hat dieses Jahr gefühlsmässig früher eingesetzt und ist stärker als letztes Jahr», sagt Brunner. Im Jumbo Maximo in Arbon zeigt sich ein ähnliches Bild: Fabian Rauber, Mediensprecher von Jumbo Schweiz, sagt, dass mit acht bis zehn Prozent mehr Mitarbeiter des Personals krank seien als sonst zu dieser Jahreszeit üblich.

Andere Grossbetriebe in der Ostschweiz scheinen nicht so stark von der Grippewelle betroffen zu sein. Im Denner machen die krankheitsbedingten Ausfälle einen tiefen, einstelligen Prozentsatz aus, sagt der Mediensprecher Thomas Kaderli. «Die Zahl bewegt sich im normalen Rahmen für diese Jahreszeit.» Bei der Migros Neumarkt und dem Inter-Discount St. Gallen gibt es ebenfalls nicht aussergewöhnlich viele Ausfälle. Auch Manuel Rotziger von Ikea sagt, dass momentan nicht mehr Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen als üblich zu dieser Jahreszeit. Rund sieben Prozent der Personen kamen in der letzten Zeit aufgrund von Krankheit nicht zur Arbeit.

Häufig und gründlich die Hände waschen

Das Risiko, sich anzustecken, sei im Dienstleistungsbereich aber vermutlich allgemein höher als in anderen Branchen, sagt Rotziger. «Im Laden hat man den ganzen Tag mit einer Vielzahl von Leuten zu tun, die eventuell krankheitserregende Viren oder Bakterien mit sich herumtragen.» Bei Coop werden die Mitarbeiter explizit darauf hingewiesen, in dieser Jahreszeit die Hände häufig und gründlich zu waschen.

Jumbo sage den Mitarbeitern, dass sie bei Unwohlsein besser zu Hause bleiben sollten, als aus schlechtem Gewissen bei der Arbeit zu erscheinen. Natalie Brägger von der Migros Ostschweiz sagte, die hohe Anzahl an Mitarbeitern, die bei Obi ausfallen, sei zwar keinesfalls ein Normalfall. Aufgrund dieses einzelnen Falles würden jedoch keine zusätzlichen Massnahmen getroffen. Das Unternehmen investiere mit Grippeimpfungen und Sensibilisierungsmassnahmen bereits viel in die Prävention. Ein Grossteil der Unternehmen verlässt sich im Falle von Grippeepidemien auf zuverlässige Mitarbeiter, welche im Notfall einspringen. Bei grösseren Unternehmen seien solche Ausfälle wegen der vielen Angestellten einfacher zu handhaben. Werner Allenspach von Obi St. Gallen hoffte vergangene Woche ausserdem auf das Verständnis seiner Kundschaft.

Dass einzelne Mitarbeiter die Grippewelle ausnutzen, um sich krank zu melden und dann unauffällig in die Ferien zu verschwinden – davon geht keiner der angefragten Betriebe aus.