Kraftwerke im Alpenrhein bedrohen Fische

Der Alpenrhein – ein fast «leerer» Fluss für Fische – soll für Hunderte von Millionen Franken ökologisch aufgewertet werden. Neue Kraftwerke würden diese Pläne beeinträchtigen.

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CHUR. Auf Einladung der Vereinigung Pro Fisch Alpenrhein und der Plattform Lebendiger Alpenrhein zündete Professor Mathias Jungwirth von der Universität für Bodenkultur in Wien am Dienstag in Chur vor zahlreichem Publikum ein Feuerwerk an Informationen, guten und schlechten Beispielen und Aufmunterungen für die Zukunft. Der Experte verspricht sich viel vom Generationenprojekt Rhesi und den Revitalisierungen am Alpenrhein zwischen Feldkirch und Bodensee.

Seeforelle hätte keine Chance

Dieses «Mehr an Natur» werde allerdings durch Kraftwerkspläne im Rhein und in seinen Zubringerflüssen in Frage gestellt. Die Bodensee-Seeforelle und andere wandernde Fischarten würden durch zusätzliche Staustufen im Alpenrhein «endgültig den Todesstoss erhalten», weiss Professor Jungwirth. «Es gibt keine Aufstiegshilfe, die das leistet, was vorher der Fluss geleistet hat.»

Das seien «Teilkompensationen», die vor allem flussaufwärts wirksam seien. Flussabwärts folgen die Fische der Hauptströmung und schwimmen entweder über die Staumauer oder werden in den Turbinen zerhackt. Mit jeder weiteren Staustufe würde die Anzahl der abwärts wandernden Fische weiter reduziert und das Ende der Seeforellen-Population besiegelt. «Wasserkraft ist eine vernünftige Nutzung», so Jungwirth, «aber wir sind zu weit gegangen». In der Schweiz seien 95 Prozent bereits genutzt, mit den entsprechenden Auswirkungen auf Natur und Mensch.

Wie oft neue UVP?

Laut Jungwirth hätten Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) in den 1990er-Jahren klar gezeigt, dass weitere Staustufen im Alpenrhein nicht umweltverträglich seien. Neben dem Unterbinden der Fischwanderungen würde auch die Trinkwasserversorgung massiv beeinträchtigt. «Diese Erkenntnisse sind noch genauso gültig wie damals, und ich frage mich, ob man alle 15 oder 20 Jahre neue UVP verlangen kann.» (red.)