Kostspieliges Risiko

Wer aus einer Lawine gerettet wird, hat grosses Glück gehabt. Die Rettung ist aber mit grossem logistischem Aufwand verbunden. Im nachhinein stellt sich oft die Kostenfrage.

Tim Naef
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Lawinen fordern jährlich über 25 Todesopfer. Allein am vergangenen Wochenende fanden acht Menschen den weissen Tod; sechs davon in der Ostschweiz. Die Zahl der Verschütteten ist indes um ein Vielfaches höher. In den letzten zehn Jahren waren es in der Schweiz über 2000 Menschen.

Wer das Glück hat, lebend aus einer Lawine gerettet zu werden, muss sich im nachhinein die Versicherungsfrage stellen. Denn laut der Suva löst man in 90 Prozent der Fälle die Lawine selbst aus. Die Versicherungen prüfen im Anschluss, ob eine Fahrlässigkeit beziehungsweise ein Wagnis vorgelegen hat. Trifft dies zu, werden die Leistungen gekürzt oder gar komplett gestrichen.

Die Frage nach dem Wagnis

«Bei Wagnissen setzt sich der Versicherte einer Gefahr aus, ohne Vorkehrungen getroffen zu haben, die das Risiko beschränken könnten», sagt Oliver Biefer, Experte für das Thema Kürzungen von Versicherungsleistungen bei der Suva. «Wer eine Pistenabschrankung missachtet, setzt sich einem Wagnis aus. Passiert dann ein Unfall, muss man mit gekürzten Versicherungsleistungen rechnen.» Im Normalfall ist dies rund die Hälfte der Leistungen. In besonders schweren Fällen können auch die gesamten Leistungen verweigert werden. Geprüft werden verschiedene Faktoren: Erfahrung, Ausrüstung, Wetterbedingungen und Schneebeschaffenheit.

Wer zahlt den Rettungseinsatz?

Nebst den Folgekosten ist der Rettungseinsatz einer der grösseren Kostenpunkte. Bei Skiunfällen und Lawinen wird meistens die Rega aufgeboten. «Grundsätzlich bezahlen die geretteten Personen die Rega-Einsätze», sagt Ariane Lendenmann vom Mediendienst der Rega. Falls es aber keine Verschütteten gegeben hat, kommt es auf den Einzelfall an. «Ging die Lawine beispielsweise über einer Skipiste nieder, bezahlt oft der Betreiber der Bahn, der den Rettungsdienst alarmiert hat.» In vielen Fällen aber trägt niemand die Kosten und die Rega muss sie abschreiben.

Für Lendenmann ist in diesem Zusammenhang ein Punkt besonders wichtig: «Bei Lawinen zählt jede Minute. Wer eine beobachtet, soll auf jeden Fall die Rega alarmieren. Auch wenn sich im nachhinein herausstellt, dass niemand verschüttet wurde. Der Anrufer muss nicht mit finanziellen Konsequenzen rechnen.»

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