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Strassenplakat und albanisches Popfest: Kosovo-Schweizer will für die St.Galler SP einen Sitz im Nationalrat holen

Mit Strassenplakaten, Popkonzert und Podium lanciert Arber Bullakaj seine Kampagne für die Wahlen im Herbst. Der Wiler Stadtparlamentarier mit Wurzeln im Kosovo setzt auf die «neue Schweiz».
Marcel Elsener
SP-Politiker Arber Bullakaj möchte in den Nationalrat – und setzt auf unkonventionelle Methoden. (Bild: Michel Canonica)

SP-Politiker Arber Bullakaj möchte in den Nationalrat – und setzt auf unkonventionelle Methoden. (Bild: Michel Canonica)

Auf den Strassen von St.Gallen, Wil, Buchs und weiteren städtischen Zentren des Kantons ist er seit diesem Montag präsent – allem Anschein nach als erster Kandidat im Kanton. Vier Monate vor den Nationalratswahlen am 20. Oktober hat Arber Bullakaj seine APG-Plakatkampagne lanciert, am Samstag folgt bereits das Unterstützungsfest der albanischen Community in Rorschach. Da wird auch gleich der Kampagnenfilm amerikanischer Prägung vorgestellt und gibt es Stofftaschen zur Wahlwerbung.

Bullakaj, 33 Jahre jung, Vizepräsident der kantonalen SP, Wiler Stadtparlamentarier und in seinem Wahlkreis erster Ersatz für den Kantonsrat, gibt für das nationale Parlament schon früh Vollgas. 2015 erreichte er mit über 17000 Stimmen den fünften Platz auf der SP-Liste, dieses Mal ist er «weiter und entschlossener», wie er sagt. «Wir haben einiges vor, darum beginnen wir so früh.» Vor vier Jahren habe sein vielköpfiges Team eine «riesige Dynamik entwickelt, aber leider zu spät».

Flyer für das Fest mit albanischen Popstars in Rorschach, offizielles Porträt des Wiler SP-Politikers: Arber Bullakaj. (Bild: PD/)

Flyer für das Fest mit albanischen Popstars in Rorschach, offizielles Porträt des Wiler SP-Politikers: Arber Bullakaj. (Bild: PD/)

Popstars aus dem Kosovo und Paul Rechsteiner

Mit der Dynamik ist nicht zuletzt das Fest im Rorschacher Stadthof gemeint, das im Oktober 2015 alle Erwartungen übertraf. Mit über 1000 Besuchern war der Saal übervoll, 300 Leute mussten nach Hause geschickt werden. Nun sind erneut Stars aus dem albanischen Showbusiness angesagt, allein das Pop-Ehegespann Alban Skenderaj und DSDS-Gewinnerin Miram Cani sowie der im Kosovo bekannteste Komiker Sevdai Radogoshi dürften für volles Haus sorgen – doch wird diesmal ein Eintritt erhoben.

Ansonsten bleibt das Erfolgsmuster gleich: zum Einstieg ein Politpodium unter anderem mit Ständerat Paul Rechsteiner und Barbara Burri Sharani, Co-Direktorin Solidar Suisse, dem früheren Arbeiterhilfswerk. Den Festknaller verdankt Bullakaj wiederum umtriebigen Freiwilligen und Eventorganisator Robert Ukaj, der die nötigen Kontakte hat. «Es wird mir quasi geschenkt.» Klar, auf die hiesige albanischsprachige Community mit Wurzeln im Kosovo, in Mazedonien oder – seltener – in Albanien kann Bullakaj zählen. Deren Stimmenpotenzial beziffern kann er allerdings nicht. Er zielt bewusst auf alle migrantischen Bevölkerungsgruppen und jene Generation, die sich in der «neuen Schweiz» heimisch fühlt. Sein Slogan besagt es:

«Egal, woher du kommst, wen du liebst, woran du glaubst. Du gehörst zur neuen Schweiz.»

Die gerechte und progressive Schweiz, die ihm vorschwebt, gäbe mit einem fairen Bürgerrecht, einer griffigen Klimapolitik und einer fortschrittlichen Familienpolitik – drei Kernthemen – «allen eine Chance». Konkrete Erfolge in der Teilhabe hat er mit Vorstössen im Wiler Parlament und mit dem von ihm mitgegründeten Verein Fair Wil erreicht. Schliesslich waren es die «Schafkampagne» der SVP und die strengen Einbürgerungsregeln gewesen, die Bullakaj zum Einstieg in die Politik bewogen. «Die Sündenbockpolitik der SVP fusst ja auf diesem künstlich hoch gehaltenen Ausländeranteil», erklärte er gegenüber der WOZ.

Nationale Plattformen, stattliches Budget

Mit seiner modernen Haltung ist der Kosovo-Schweizer, der unter seinen Vorbildern Barack Obama oder die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern nennt, in den nationalen Medien gefragt: So war der smarte Treuhand- und IT-Unternehmer, wohlgemerkt kein Muslim, sondern «agnostischer Katholik», im «Doppeladler»-Club von SRF zu Gast und diente erst im April in der Radiosendung «Echo der Zeit» als Beispiel für den «Marathon», der für ein Mandat in der Bundespolitik nötig sei.

Gab er 2015 noch 9000 Franken für den Wahlkampf aus, so will er nun 20'000 Franken («mit Schmerzgrenze 25'000») aus dem eigenen Sack zahlen, die dank Spenden verdoppelt werden sollen. Möglicherweise unterstützt ihn auch die liberale Operation Libero, was im Moment niemand bestätigen will. «Ich hoffe es», sagt er nur. Auf jeden Fall kann er auf die albanische Community zählen – bereits 2015 vermerkte albinfo.ch, das Newsportal der albanischsprachigen Schweiz, die gute Zusammenarbeit. Der erste «halbanische» St.Galler Stadt- und Kantonsparlamentarier Etrit Hasler wird den Parteikollegen am Samstag mit einer Videobotschaft unterstützen.

Dass die Nationalrätinnen Claudia Friedl und Barbara Gysi am Podium diesmal fehlen, ist übrigens keine Kampfansage; im Gegenteil, wie Bullakaj sagt: «Dass ich eine von ihnen verdränge, ist völlig unrealistisch und keineswegs meine Absicht. Wenn die SP keinen dritten Sitz schafft, habe ich mein Ziel nicht erreicht.»

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