Kosovare fährt seine Frau tot

Mehrere Personen sind in St. Gallen Augenzeuge geworden, wie ein Kosovare mit dem Auto seine Frau zu Tode gefahren hat. Nach einer Grossfahndung konnte er festgenommen werden.

Daniel Walt/Markus Wehrli
Merken
Drucken
Teilen
Die Tat ereignete sich auf der Sittertalstrasse, die vom Gasthaus Stocken hinunter zum Gewerbezentrum Sittertal führt. (Bild: Ralph Ribi)

Die Tat ereignete sich auf der Sittertalstrasse, die vom Gasthaus Stocken hinunter zum Gewerbezentrum Sittertal führt. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Das Blut ist weggewischt. Nur noch die Wasserlache auf dem Trottoir zeigt, wo die Frau gestorben ist. Angefahren mit einem Auto, möglicherweise gezielt umgebracht.

«Er tat es bewusst»

Dienstagmittag, 12.30 Uhr: Die Kosovarin ist im oberen Bereich der Sittertalstrasse zu Fuss unterwegs. Mehrere Personen beobachten, wie ein Mann in einem blauen Audi die Frau anfährt. Er tat dies ganz bewusst, wie die Zeugen der Polizei später zu Protokoll geben werden. In der Folge geht der Fahrer des Wagens kurz zur Frau, fährt dann aber davon.

Die 40jährige Frau stirbt, noch bevor die ersten Rettungskräfte eintreffen. «Bereits die Zeugen mussten feststellen, dass sie tot war», sagt Hans Peter Eugster, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Die Polizei löste eine Fahndung nach dem Mann des Opfers aus – er lebte seit einiger Zeit getrennt von der Frau. Auf seine Spur kam die Polizei dank der Zeugenaussagen: Passanten konnten sich die Schildernummer des Audis merken – der Wagen ist auf den Ehemann des Opfers zugelassen.

Unklar war hingegen zunächst, ob die Frau von der Kräzernstrasse her abwärts in Richtung Sittertobel oder in umgekehrter Richtung unterwegs war. Genauso wenig liess sich laut Hans Peter Eugster sagen, ob die Frau auf dem Trottoir oder auf der Strasse ging. Wohnhaft war die 40jährige Frau, genauso wie der getrennt von ihr lebende Gatte, in der Stadt St. Gallen – laut Hans Peter Eugster aber nicht in der Nähe der Sittertalstrasse.

Opfer arbeitete ganz in der Nähe

Hoch über der Sittertalstrasse braust der Verkehr über die Fürstenlandbrücke. Die Stelle unter den Brückenpfeilern ist berüchtigt – hier stürzen sich Menschen in den Tod. Die Kosovarin arbeitete in der Nähe des Tatorts. Viele der Leute, die das Fabrikareal im Sittertobel nach Arbeitsschluss verlassen, haben von der Tat am Radio gehört. Einige hasten vorbei, wirken abweisend, geschockt – «wir wissen nichts», sagen zwei im Vorbeigehen. Ein anderer erzählt, das Opfer sei im «Dock» angestellt gewesen, der Stiftung für Arbeit, die sich 2007 umbenannt hat. Hier arbeiten ausgesteuerte Langzeitarbeitslose, die Stiftung bietet ihnen einen Arbeitsplatz.

«Wie im Krimi»

In einem Coiffeursalon am Anfang der Sittertalstrasse hat man die Tat nicht direkt erlebt – dafür den Tumult danach. «Es war wie im Krimi», sagt eine Frau. Plötzlich all die Polizei und die Feuerwehr, die Absperrungen. Als die Frau schauen geht, sieht sie das Opfer am Boden liegen, zugedeckt. «Sie war tot», sagt die Frau. Wie es dazu gekommen ist, weiss sie nicht. «Das habe ich auch der Polizei gesagt.»

Erfolgreiche Fahndung

Unklar blieb bis gestern abend, was zur Tat führte. War das Ehepaar der Polizei wegen Beziehungsproblemen bekannt? Hatte der Mann im Vorfeld Drohungen gegen seine Frau ausgestossen? Die Polizei konnte diese Fragen vorerst nicht beantworten. «Für uns stand zunächst die Fahndung nach dem Mann im Vordergrund», hält Hans Peter Eugster fest.

Sie sollte erfolgreich sein: Um punkt 15.46 Uhr meldete die Polizei, der gesuchte Mann sei im Westen der Stadt verhaftet worden – Genaueres zu den Umständen seiner Festnahme liess die Polizei nicht verlauten. Die beiden Kinder des Ehepaars – sie sind laut Eugster im Primar- und im Oberstufenalter – wurden von einem Care-Team betreut.