Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Luzerner Pyrofall: Opfer und St.Galler Fussball-Chaot einigen sich

Seit ein St.Galler Fussball-Chaot eine Petarde gezündet hat, leidet ein Luzerner unter einem schweren Hörschaden. Jetzt haben sich Opfer und mutmasslicher Täter über die Höhe der Genugtuung geeinigt. Trotzdem: Die Akte ist noch nicht geschlossen.
Kilian Küttel
Auf dem Spielfeld landen Pyros. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (Luzern, 21. Februar 2016))

Auf dem Spielfeld landen Pyros. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (Luzern, 21. Februar 2016))

12'000 Franken Genugtuung hätten es sein sollen, es werden mehr: Das Bundesstrafgericht hat im August 2017 einen Appenzeller verurteilt, der an einem Spiel des FC Luzern gegen den FC St.Gallen mehrere Petarden gezündet hatte. Nebst der Genugtuung sprachen die Richter in Bellinzona eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren, eine bedingte Geldstrafe von 900 sowie eine Busse von 700 Franken aus.

Neue Genugtuung ist wohl höher als 12'000 Franken

Beim verhängnisvollen Wurf explodierte ein Knallkörper auf dem Rasen der Swissporarena. Ein Zuschauer zog sich einen schweren Hörschaden zu, ist seither auf dem linken Ohr taub, kämpft mit einem Tinnitus und braucht ein Hörgerät.

Wie Recherchen unserer Zeitung jetzt zeigen, haben das Opfer und der mutmassliche Täter eine neue Genugtuung ausgehandelt. Gemäss Opferanwalt Sämi Meier ist Stillschweigen über die Höhe vereinbart worden. Höchstwahrscheinlich liegt der Betrag aber bei über 12'000 Franken.

Grund für die Einigung dürfte das juristische Hick-Hack sein, das um den Luzerner Pyrofall entbrannt ist: Der Appenzeller akzeptierte das Urteil aus Bellinzona nicht und zog den Fall ans Bundesgericht weiter. Daraufhin wehrte sich auch das Opfer, das vor bei den Lausanner Richtern eine höhere Genugtuung erstreiten wollte.

Luzerner zieht eigene Beschwerde zurück

Das ist jetzt gelungen – ohne Eingreifen des Bundesgerichts. «Mein Mandant war seit je her offen für einen Vergleich und es gab in der Vergangenheit auch Verhandlungen. Nun ist ein neues Angebot eingetroffen, das wir akzeptieren konnten», so Meier.

Im Gegenzug zieht der Luzerner seine Beschwerde am Bundesgericht zurück. Gegessen ist die Geschichte mit der Einigung und dem Rückzug des Opfer aber nicht. Die Beschwerde des mutmasslichen Täters ist weiterhin hängig. Für eine Stellungnahme war seine Anwältin Manuela Schiller bislang nicht erreichbar.

Im Oktober 2017 sagte diese aber noch: «Mein Mandant und ich sind der Ansicht, dass er sich nicht der vorsätzlichen verbrecherischen Gefährdung schuldig gemacht hat.» Wenn überhaupt liege eine «fahrlässige schwere Körperverletzung» vor.

Krach mit der Versicherung

Der Opferanwalt sagt zu den aktuellsten Entwicklungen weiter: «Mein Mandant will das Verfahren möglichst schnell abschliessen.» Ruhe wird in die Sache aber auch weiterhin nicht kommen. Denn das Opfer steckt nicht nur mit dem mutmasslichen Täter in einem juristischen Seilziehen, sondern auch mit seiner Unfallversicherung. Diese will für die Behandlung des Hörschaden oder für Hörgeräte nicht aufkommen. Mit diesem Fall befasst sich aktuell das Luzerner Kantonsgericht.

Die Geschichte, die mit dem Besuch eines Fussballspiels ihren Anfang nimmt, dauert nun schon fast drei Jahre. Ein Prozess, der an die Substanz geht. Das Pyro-Opfer sagte im Februar dieses Jahres: «Lange mag ich diesen Weg nicht mehr gehen. Ich möchte, dass es endlich ein Ende hat.»

Das ist bis jetzt passiert:

21. Februar 2016

Der FC Luzern trifft auf den FC St.Gallen. Kurz nach Anpfiff explodiert ein Böller auf dem Rasen der Swisspor-Arena – ein Zuschauer aus Luzern erleidet einen schweren Hörschaden.

7. März 2016

Zusammen mit der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden nimmt die Luzerner Polizei den mutmasslichen Täter fest. Bei einer Hausdurchsuchung finden die Polizisten gut 100 Kilo Feuerwerk.

März 2017

Der mutmassliche Täter wird angeklagt – unter anderem wegen mehrfacher Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase sowie schwerer Körperverletzung. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesanwaltschaft, dass sie wegen Gewalt in Sportstadien eingreift.

9. August 2017

Das Bundesstrafgericht verurteilt den jungen Ostschweizer.

18. Oktober 2017

Es wird bekannt, dass der Petardenwerfer das Urteil nicht akzeptiert und ans Bundesgericht geht. Das Opfer zieht mit und verlangt eine höhere Genugtuung.

8. Februar 2018

Unsere Zeitung berichtet über den Streit des Pyro-Opfers mit seiner Versicherung.

28. Dezember 2018

Der mutmassliche Täter und das Opfer einigen sich in einem Vergleich über die Höhe der Genugtuung.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.