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Kopie von Käse und Schoggi können einpacken: Red Bull ist der neue Exportschlager der Schweiz

Die Schweizer Zuckerbranche bleibt weiter unter Druck, doch die hiesigen Bauern wissen einen gewichtigen Abnehmer im Rücken. Wie Red Bull den Preis für Zuckerrüben stützt.
Raphael Bühlmann
Schweizer Zucker ist unter Druck: Mit einem Rübenroder werden Zuckerrüben jeweils im Herbst geerntet. (Bild: Philipp Schulze/Keystone)

Schweizer Zucker ist unter Druck: Mit einem Rübenroder werden Zuckerrüben jeweils im Herbst geerntet. (Bild: Philipp Schulze/Keystone)

Anfang dieser Woche veröffentlichte das Bundesamt für Statistik die landwirtschaftlichen Ertragswertschätzungen für das laufende Jahr. Demnach werden 2019 hierzulande rund 1,6 Millionen Tonnen Zuckerrüben geerntet – so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dies kommt unerwartet, wähnt sich die Zuckerindustrie in ganz Europa und seit den bilateralen Abkommen auch in der Schweiz in einer ernsthaften Krise (Ausgabe vom Mittwoch). Doch dem gegenseitig zugestandenen Marktzugang und der Deregulierung zum Trotz, ist es ausgerechnet der Sonderstatus der Schweiz, der den hiesigen Zuckerrübenpflanzer einen gewichtigen Teil des Absatzes sichert – zwei roten Stieren sei Dank.

«Der Zucker, den wir für die Herstellung von Red Bull Energydrink in der Schweiz verwenden, stammt von Schweizer Zuckerrüben», schreibt der österreichische Getränkehersteller auf Anfrage. Was das Unternehmen mit «Herstellung in der Schweiz» meint, kann die Vorstellungen mitunter übersteigen.

Red Bull produziert seit 2005 in Widnau

Red Bull verkaufte im vergangenen Jahr 6,7 Milliarden Dosen seines Energydrinks. Obwohl vom Unternehmen selbst nicht bestätigt, lassen verschiedene Zahlen darauf schliessen, dass ein beträchtlicher Anteil davon in der Schweiz produziert wird.

Im Jahr 2005 startete Red Bull die Produktion in Widnau. Konzernchef Dietrich Mateschitz entschied sich damals unter anderen für den St.Galler Standort, weil die Schweiz nicht Mitglied der EU ist. Gegenüber «Cash» sagte Mateschitz 2004, es werde eine zweite Fabrik im Rheintal errichtet, weil Unternehmen in der EU auf einer schwarzen Liste landen könnten, wenn die USA und die EU in wirtschaftliche Streitigkeiten gerieten.

Ein WTO-Entscheid mit Folgen

2005 verdonnerte die Welthandelsorganisation die EU dazu, Massnahmen zu ergreifen, um ihre billigen Zuckerexporte zu reduzieren. Die Union subventionierte damals den Anbau von Rüben und überschwemmte damit den Weltmarkt. Die Anbaufläche sank in der Folge um mehr als einen Drittel, und die Hälfte der Zuckerfabriken gingen ein – die EU wurde vom zweitwichtigsten Zuckerexporteur zum Nettoimporteur. Durch die bilateralen Abkommen ist die Schweizer Zuckerwirtschaft direkt von der EU abhängig. Die sogenannte Doppelnull-Lösung schreibt vor, dass auf verarbeitetem Zucker, der zwischen der Schweiz und der EU gehandelt wird, weder Importhemmnisse noch Ausfuhrbeihilfen ausgesprochen werden dürfen. Als Schutzmassnahme hat der Bund jedoch einen Mindestgrenzschutz für Importzucker von 70 Franken pro Tonne beschlossen und den Einzelkulturbeitrag jüngst um 300 Franken auf 2100 Franken pro Hektare erhöht. (rab)

Dank dieses Entscheids ist die Schweiz zu einem der bedeutendsten Getränkeexporteure aufgestiegen, wie Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung eindrücklich zeigen. Vor 2004 exportierte die Schweiz jährlich Softdrinks für rund 40 Millionen Franken – im ersten Halbjahr 2019 beliefen sich diese Ausfuhren auf 1 Milliarde. Wertmässig ist das fast doppelt so viel wie Käse und Schokolade zusammen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 legten die Softgetränkeexporte erneut um 1,8 Prozent zu.

Jede zweite Dose weltweit enthält Schweizer Zucker

Gemäss verschiedenen Medienberichten soll mittlerweile jede zweite weltweit verkaufte Red-Bull-Dose aus dem Werk in Widnau stammen. Was das für die Schweizer Zuckerrübenproduzenten bedeutet, hält Red Bull wie folgt fest: «Am Produktionsstandort Widnau nimmt Red Bull rund 25 Prozent der gesamten Schweizer Zuckerproduktion ab. Die qualitativ hochwertigen Zutaten aus einheimischer Quelle werden geschätzt».

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