KOOPERATIONEN: Operationen geben den Ausschlag

Das öffentliche Spital Heiden steht vor dem Aus, weil die Frauenärzte wegen einer Kooperation mit der Hirslanden Klinik am Rosenberg gekündigt haben. Die Privatklinik hat ebenfalls ein Krisenjahr hinter sich.

Monika Egli, Patrik Kobler
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Die Hirslanden Klinik am Rosenberg in Heiden hat am Gruppenergebnis knapp drei Prozent Anteil. (Bild: Michel Canonica)

Die Hirslanden Klinik am Rosenberg in Heiden hat am Gruppenergebnis knapp drei Prozent Anteil. (Bild: Michel Canonica)

Monika Egli, Patrik Kobler

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Die Ärztegruppe «Orthopädie Rosenberg» wandert bis auf eine Ausnahme geschlossen zur Berit-Klinik in Speicher ab, Operationssäle und Betten bleiben leer, der Direktor geht frühzeitig in den Ruhestand: Das Geschäftsjahr 2015/2016 war für die Hirslanden Klinik am Rosenberg in Heiden kein einfaches. Trotzdem sagt Daniel Liedtke, der als COO das operative Tagesgeschäft der Klinikgruppe Hirslanden betreut: «Aus strategischer Sicht geht es uns heute besser als je zuvor.» Denn im Gegensatz zu früher, «als wir von einer einzigen Ärztegruppe abhängig waren und praktisch nur als Infrastrukturgeber mit Pflege- und Hotelbetrieb auftraten, haben wir jetzt auch in der Ostschweiz unsere Strategie umsetzen können». Er sei überzeugt, dass es sich in Zukunft keine Klinik mehr leisten könne, ­lediglich die Infrastruktur mit Pflege zur Verfügung zu stellen. «Als Klinikbetreiber muss man die Fallkosten und Patientenzufriedenheit aktiv beeinflussen können.» Wesentlicher Bestandteil der Hirslanden-Strategie ist der Verbund mit der Klinik Stephanshorn in St. Gallen. Die Klinikgruppe Hirslanden teilt ihr Gebiet in Versorgungsregionen ein; die Kombination «Rosenberg-Stephanshorn» bildet die Versorgungsregion Ostschweiz.

Als im Herbst 2015 der Ausserrhoder Spitalverbund (Svar) in einer schweren Situation anklopfte mit der Idee, die Chirurgie des öffentlichen Spitals Heiden in die Klinik am Rosenberg auszulagern, empfand man dies als «interessant», wie Stephan Pahls, Leiter Business Development, sagt. «Für uns», ergänzt Liedtke, «war es aber nicht existenziell.» Wäre man auf diese zusätzlichen Fälle angewiesen, «wären wir schon längst unter dem Boden». Und bisher sei die Auslagerung ja auch noch nicht umgesetzt. Man rechnet ab April mit 600 bis 800 zusätzlichen Operationen, die zu den rund 5000 eigenen Fällen pro Jahr dazukämen. Ob auch Mitarbeiter des Spitals Heiden übernommen werden können – 45 Personen verlieren ihre Stelle – ist noch offen. In der Klinik am Rosenberg wurden im Krisenjahr keine Kündigungen ausgesprochen, ein Abbau des Personalbestands erfolgte aber über natürliche Abgänge. «Bisher waren wir zurückhaltend. Jetzt müssen wir zuerst schauen, wie sich das Volumen mit den Operationen des Spitals Heiden entwickelt. Wir sind zwar zuversichtlich, können aber nichts versprechen», sagt Pahls.

Eine Nebenstrategie «wäre nicht legitim»

Im Spital Heiden hat sich die Situation unterdessen zugespitzt: Wegen der Kündigung der operierenden Gynäkologen stehen die Frauenklinik und unter Umständen das ganze Spital auf der Kippe. Die Kündigungen gingen Ende 2016 ein, weil auf Anordnung des Verwaltungsrats des Svar künftig mit einem Anästhesieteam aus der Rosenberg-Klinik operiert werden sollte. «Ein zu hohes Risiko bei Notfällen», wie die Frauenärzte befanden. In der Hirslanden-Klinik ist man anderer Ansicht, aber «fachlich entscheiden immer die Fallführer. Das letzte Wort haben die Gynäkologen», so Liedtke. Er sieht im vorgeschlagenen Modell keine Veränderung zu den bisherigen Abläufen, denn: «War der Anästhesist bis anhin zu Hause auf Pikett, wäre er das neu in der Klinik am Rosenberg. Er wäre in fünf bis zehn Minuten im Spital.» Pahls erläutert, dass hier zwei Teams zusammenwachsen müssten, und vermutet, dass man sich möglicherweise nicht auf dieses «Kulturexperiment» einlassen wolle, auch wenn das vorgeschlagene Modell allen Vorgaben und Empfehlungen folge.

Wenn es gelingt, die Frauenklinik zu retten, muss der Svar der Hirslanden den Anästhesisten lediglich für die effektiven Einsätze, nicht jedoch für die Pikettzeit bezahlen. Wieso ist Hirslanden bereit, diese Mehrkosten zu tragen? «Auch wir hätten dadurch eine Ausweitung unserer Leistungen und damit einen Zusatznutzen für die Patienten», erklärt Liedtke, «statt wie bisher ein Nachtarzt, wäre dann bei uns ein Nachtanästhesist vor Ort.» Selber eine Frauenklinik zu betreiben, falls jene im Spital geschlossen werden müsste, sei bei Hirslanden «nicht im strategischen Fokus». «Wir sind Kooperationspartner des Svar und unterstützen, wo wir können. Solange der Svar die Frauenklinik erhalten will, wäre es nicht legitim, wenn wir eine solche Nebenstrategie in Erwägung ziehen würden», sagt Liedtke. Käme vom Svar allerdings eine entsprechende Anfrage, «würden wir sie prüfen».

«Öffentliche Spitäler führen ist ein strategisches Ziel»

Das führt zum Thema, ob die Hirslanden-Gruppe daran interessiert wäre, die Ausserrhoder Spitäler für den Kanton zu betreiben? Käme die Frage, würde man sie selbstverständlich prüfen, lautet Liedtkes Antwort. Für Hirslanden ist es grundsätzlich ein strategisches Ziel, auch öffentliche Spitäler zu führen, wenn die Rahmenbedingungen für alle Beteiligten stimmen. Alleine schon mit der eigenen Organisation – zentrale Codierung, Fakturierung und zentraler Einkauf – sei man in der Lage, Spitäler administrativ stark zu entlasten und Kosten zu sparen.

Fakt ist, dass die Klinik am Rosenberg laut Liedtke und Pahls als selbständige Institution wegen des veritablen Krisenjahres 2015/16 wahrscheinlich nicht überlebensfähig gewesen wäre. Der Konzern sei aber in der Lage, solche Situationen kurzfristig abzufedern; die Hirslanden Klinik am Rosenberg hat am Gruppenergebnis knapp drei Prozent Anteil. Die Talsohle sei durchschritten, jetzt werde auch wieder ­investiert, aktuell eine Million Franken. Als integraler Bestandteil der Versorgungsregion Ostschweiz sei das Ziel von Hirslanden, möglichst nahe zum Patienten zu gehen, auch für die Klinik am Rosenberg erreicht. Liedtke könnte sich eine Kombination aus Versorgungszentrum im Spital Heiden, dem Grundversorgungsspital Stephanshorn sowie der Fachklinik am Rosenberg gut vorstellen. «Damit wäre der Bevölkerung gut und umfassend gedient.»