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KONZERT: Hulapalukybun

Der ausverkaufte Abend mit Volks-Rock-’n’-Roller Andreas Gabalier im St. Galler Kybunpark war musikalisch deutlich weniger schmerzlich als befürchtet. Im Gegenteil: Als Typ ist er ein Phänomen.
Michael Hasler
Andreas Gabalier und sein Mikrofongeweih im Bühnennebel. (Bilder: Urs Bucher)

Andreas Gabalier und sein Mikrofongeweih im Bühnennebel. (Bilder: Urs Bucher)

Michael Hasler

ostschweiz@tagblatt.ch

Andreas Gabalier ist nicht der grossartigste Sänger der Welt, aber das ist Bruce Springsteen auch nicht. Und beide wissen das sehr genau. Ihre Konzerte sind aber nicht nur deshalb vergleichbar. Nach der ersten halben Stunde mit dem Steirer und seiner zwölfköpfigen Band schälen sich aus den wilden Assoziationen zwei Begriffe heraus: Authentizität und Kraft. Wie «The Boss» Bruce Springsteen ist auch Gabalier äusserlich einer, der mit seiner ärmelfreien Weste und seinen gestählten Oberarmen durchaus ein Kerl aus den 1980er-Jahren sein könnte.

Doch hinter dieser imposanten Hülle spürt man in der relativen Abenteuerlosigkeit vieler seiner Songs eine so sensible wie ehrliche Seele. Das mag ein Erklärungsversuch für das Phänomen Gabalier sein. Aussen hart – und innen ganz weich. Aussen hart – und innen durchaus smart. Das Konzert im Kybunpark droht nur gerade in den ersten paar Minuten zu einer üblen Mélange aus Après-Ski-Hits und Mallorca-Ballermann zu verkommen. Gleich mehrmals animiert er das Publikum zum Mitsingen, Mitklatschen und was auch immer. Über einen Abend hinweg wäre das nervtötend – ja nicht auszuhalten.

Mikrofon am Hirschgeweih wirkt nicht peinlich

Doch dann kommt der bewusste Bruch in der Festhüttendramaturgie, schaltet Gabalier einen Gang zurück und verlässt sich auf seine Musikalität und die unwiderstehliche Wucht seiner zwölfköpfigen Band. Klar, musikalisch ist das, was Gabalier tut, weder neu noch besonders spektakulär, aber das war das Gros der 1980er-Softrockbands auch nicht, mit denen sich Gabaliers Livesound durchaus vergleichen lässt. Nur, Gabalier tut das, was er Abend für Abend auf der Bühne abliefert, mit einer Kraft, der man sich auch als Nichtfan kaum entziehen kann. Wenn er mit seinem Publikum spricht, tut er das wie einer, der etwas zu sagen hat. Und obwohl er sein Mikrofon an einem halben Hirschgeweih befestigt hat, obwohl er eine weiss-rot karierte Sonnenbrille trägt und sich ein Schweizer Kreuz auf den Bizeps gemalt hat, wirkt das bei ihm nie peinlich.

Musiker wie ihn, die kraft ihrer generationenübergreifenden Ausstrahlung einen solchen Sog bewirken, gibt es genreübergreifend nur ganz wenige. Grönemeyer, der vor ihm den Kybunpark mit einem wunderbaren Konzert beschenkte, ist einer. Ein anderer, ihm im Grundimpetus deutlich ähnlicher, ist tatsächlich Bruce Springsteen.

Wie das amerikanisch-italienische Urgestein des Rocks spielt auch Gabalier, der Boss der Alpen, seine Konzerte so, als wären sie das letzte, was er aus seinem Körper herauspressen kann. Und wie Springsteen verlässt er sich dabei auf eine Band, die eine perfekte und wuchtige Klangwand durch die Stadien feuert, die in der Volksmusikwelt ihresgleichen sucht.

Ein Lied im Notstrommodus

Auch nach einer guten Stunde ist die Stimmung im Stadion ausgelassen, aber nie bierselig, viel weniger eine beliebige Party als vielmehr ein durch und durch ernsthaftes Konzert eines begabten Musikers. Als bei einer Bluesnummer plötzlich die Anlage wegen eines defekten Mischpults für einige Minuten aussteigt, bleibt Gabalier stoisch auf der Bühne stehen. Das Publikum feiert ihn ekstatisch, klatscht ihm zu und singt mit ihm – nun nur noch im Notstrommodus – über Minuten hinweg eine A-cappella-Version seines Hits Hulapalu.

Die Gekommenen rücken zusammen, feiern den Moment und schultern diesen Felsbrocken von einem Mann, der nicht zurückweicht, schon gar nicht vor einem kaputten Mischpult. Ein Boss. Nichts weniger.

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