KONSULARISCHER DIENST: Nächster Halt Kapstadt

Der St.Galler Andreas Maager hat beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) seit 1984 alle Hierarchiestufen durchschritten. Als Generalkonsul wechselt er nun von Atlanta nach Kapstadt – mit Zwischenstopp.

Julia Nehmiz
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Generalkonsul Andreas Maager reist seit Jahrzehnten um die Welt. In St. Gallen besucht er seine Mutter. (Bild: Ralph Ribi)

Generalkonsul Andreas Maager reist seit Jahrzehnten um die Welt. In St. Gallen besucht er seine Mutter. (Bild: Ralph Ribi)

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@ostschweiz-am-sonntag.ch

Andreas Maager ist kein Mann, den Unvorhergesehenes aus der Bahn wirft. Das vor Monaten abgemachte Interview verschiebt sich spontan? Kein Problem. Man merkt, er hat schon deutlich gravierendere Unwägbarkeiten gemeistert. Andreas Maager, 58 Jahre alt, gebürtiger Stadtsanktgaller, amtet als Generalkonsul im Schweizerischen Generalkonsulat in Atlanta. Noch. Im Sommer zieht er ein weiteres Mal um. Die nächste Destination heisst Kapstadt.

Maager arbeitet seit 1984 für das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). An eine konsularische Laufbahn hatte er nicht gedacht, als er damals in St.Gallen den Schulabschluss machte. «Da sitzt man im Haldenschulhaus auf der Bank und landet Jahre später in Südafrika», sagt Maager und rührt in seinem Espresso. Kurz hat er noch Zeit, bevor sein Zug fährt. Maager verbringt die Frühlingsferien in der Schweiz. Er hat seine Mutter besucht, gleich geht es zur Familie und seiner Frau ins Wallis.

Heimweh ist für ihn kein Thema. Er wechselt alle drei bis vier Jahre nicht nur die Wohnung, sondern auch das Land – wenn nicht gar den Kontinent. «Der Start ist jeweils nicht einfach, es dauert, bis man den neuen Rhythmus gefunden hat», sagt Maager. Doch er erlebe jeden Wechsel als bereichernd. Seine Stationen bislang: Dijon, Den Haag, Riad, Kuwait, Annecy, Abu Dhabi, Houston, Dakar, Los Angeles, Brüssel, und – klar – Bern. Dass es nun Südafrika wird, stand auf Maagers Wunschliste nicht ganz oben. Er hatte ein wenig gehofft, dass es eine Stelle in Europa wird. Seine drei erwachsenen Kinder leben in London und Genf. Seine 88-jährige Mutter lebt in St.Gallen. «Meine Geschwister kümmern sich um sie», sagt Maager. Es sei schon belastend, aber er weine dem nicht nach, was nicht sein könne. «Ich sage mir, ich geniesse die Momente, die wir zusammen haben.» Und seine Mutter freue sich für ihn, dass er durch seinen Beruf die Welt kennenlernt. In Übersee hatten Maagers Eltern ihn nicht besucht: «Meine Mutter ist noch nie in ein Flugzeug gestiegen.» Dafür kommt er mit Frau und Kindern regelmässig in die alte Heimat.

Die Karriereleiter nach oben geklettert

Dass er beim EDA landete, fusst auf einem Zufall. Nach der Sek absolvierte er als 16-Jähriger die Verkehrsschule in St.Gallen. Nach der zweijährigen Handelsschulausbildung bewarb er sich beim Zoll. Sechs Jahre arbeitete Maager bei der Zollverwaltung, kümmerte sich um die Verzollung von Handelswaren. Es sei eine gute Arbeit gewesen, sagt Maager. «Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, ich bin 23 und muss noch 40 Jahre arbeiten.» Er stellte sich sein Leben vor: Am Morgen auf den Zug, am Abend wieder heim. Frau, Kinder, Reiheneinfamilienhaus, Jassclub. «Verstehen Sie mich nicht falsch, so ein Leben ist ja nicht verkehrt, aber für mich hätte das so nicht gestimmt.» In dieser Zeit sah er ein Inserat des EDA. Seine Frau, die damals in Lausanne die Hotelfachschule absolvierte, unterstützte ihn. «Sie sagte, das klappt sowieso nicht, also probieren wir es einfach mal.» Maager probierte, schaffte es durchs mehrstufige Auswahlverfahren und wurde aufgenommen. 1984 begann er die konsularische Ausbildung beim EDA.

Maager kletterte die Karriereleiter nach oben: Vom Kanzleisekretär über Betriebsleiter und Sektionschef bis zum Generalkonsul. Weiter kann man auf der konsularischen Laufbahn nicht kommen. Das Konsulat betreut die Schweizerinnen und Schweizer vor Ort, knüpft Kontakte zu lokalen Behörden, zu Wirtschaft, Forschung und Kultur. «Im Unterschied zu einer Botschaft betreibt ein Konsulat keine politische Arbeit.» Es sei im Konsulat schon gewissermassen Büroalltag, «aber es ist ein Unterschied, ob Sie in Riad oder Annecy arbeiten». In Annecy habe er als junger Konsulatsangestellter geschätzt, dass er durch die Routine der Arbeit sattelfest geworden sei. Die administrativen Aufgaben mit Visa und Pass oder Buchhaltung seien nicht immer auf­regend. «Die Betreuung der Schweizer vor Ort, die Fälle, die man betreut, sind das Salz in der Suppe.» Ein Fall, den er als junger Mann erlebte, ist ihm heute noch in Erinnerung. Eine Mutter war in Holland kurz aus dem Zug gestiegen, ihr kleines Kind sass aber noch drin – und fuhr mit dem Zug weg. «Die Mutter war total verloren, sie stieg in den nächsten Zug, doch der fuhr in die andere Richtung», erzählt Maager. «Wir mussten Mutter und Kind zusammenführen.» In einer Zeit, als es noch keine Handys gab. Anhand solcher Fälle habe er gelernt, sich immer wieder die Frage zu stellen, was man als nächstes machen sollte. «Es gibt kein Verhaltensmuster, das man in jedem Fall anwenden kann.» Wie bei der Schweizer Reisegruppe, die am Ankunftstag im Senegal einen Autounfall hatte. Es galt die Leicht- bis Schwerverletzten zu betreuen, Rückflüge zu organisieren, die Familie zu besänftigen.

Seine Familie meisterte die vielen Umzüge und Ortswechsel gut. «Das ging nur, weil meine Frau mich tatkräftig unterstützte.» Mit zwei kleinen Kindern in Riad, später mit drei Kindern im Senegal – sie hätten jedes Land genossen. Und auch wenn mal ein Umzug nicht glatt lief – «das vergisst man wieder».

«Wunschposten sind nicht immer die besten»

Jetzt gilt es den Umzug nach Kapstadt zu organisieren. «Wir freuen uns auf Südafrika», sagt Maager. Drei bis vier Jahre werden sie dort bleiben. Und dann? «Wir hoffen auf Europa, ein Posten nahe der Schweiz wäre schön», sagt der 58-Jährige. Aber er fügt an: «Wunschposten sind nicht immer die besten, und die schlimmsten sind nicht die schlechtesten.»

Maager schnappt sich Rollkoffer und Tasche. Ob er sich vorstellen kann, im Ruhestand wieder in der Ostschweiz zu wohnen? Er wiegt den Kopf, lächelt. Nach St.Gallen kommt er lieber zu Besuch.

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