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Mit 15 Jahren zur Terrormiliz: Konstanzer IS-Rückkehrerin muss sich vor Gericht verantworten

Im Oktober 2013 ist sie nach Syrien ausgereist, im vergangenen Jahr wollte sie zurückkehren. Einer Konstanzerin wird vorgeworfen, Mitglied der Terrororganisation IS gewesen zu sein. Nun wird ihr der Prozess gemacht.
Janine Bollhalder
Auch Frauen wie etwa Sarah O. begeben sich in den «Heiligen Krieg» nach Syrien. (Bild: Archiv)

Auch Frauen wie etwa Sarah O. begeben sich in den «Heiligen Krieg» nach Syrien. (Bild: Archiv)

Vor etwas mehr als einem Jahr ist die deutsch-algerische Doppelbürgerin Sarah O. am Flughafen Düsseldorf festgenommen worden. Vier Jahre zuvor reiste die damals 15-jährige Schulabbrecherin von Stuttgart aus über die Türkei nach Syrien, um sich der Terrormiliz Islamistischer Staat (IS) anzuschliessen. Ende 2017, als der IS zurückgedrängt wird, will sie zurückkehren. Sie wird an der Grenze von türkischen Sicherheitskräften aufgegriffen und am 21. September des vergangenen Jahres an Deutschland ausgeliefert. Im Schlepptau: ihre drei kleinen Kinder.

Am kommenden Mittwoch wird die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf beginnen, wie die Konstanzer Zeitung «Südkurier» meldet. Der inzwischen 21-jährigen Konstanzerin wird vorgeworfen, Mitglied der IS gewesen zu sein und Kriegsverbrechen gegen das Eigentum, Menschenhandel und Freiheitsberaubung begangen zu haben.

Von der jungen Gymnasiastin zur IS-Anhängerin

Sarah O. ist die erste Jugendliche, die ausreiste, um sich dem IS anzuschliessen. Nun sitzt sie seit September 2018 in einem Gefängnis in Nordrhein-Westfalen in Untersuchungshaft. Der Prozess wird eine Aufarbeitung der Geschehnisse sein: Wie sich eine junge Gymnasiastin mit guten Noten zu einer Frau verwandelt, die sich verschleiert und posiert auf Facebook mit einer Maschinenpistole im Anschlag.

Ihr Schulbesuch in Algerien im Jahr 2013 habe die junge Frau verändert zurückgebracht: Sie ist nun strenggläubig, trägt einen Niqab (Gesichtsschleier) und Handschuhe. Was Sarah O. dann aber endgültig zur Ausreise motiviert haben soll, sei der Besuch einer Benefizveranstaltung für Syrien gewesen, organisiert von der deutschen Gruppierung Ansaar International. Einem Hilfsbund, dessen Mitglieder «um Allahs Wohlgefallen Projekte planen und durchführen, mit dem Ziel, notleidende Menschen zu unterstützen», wie auf der Webseite zu lesen ist. Dies war in jenem Jahr, in welchem der Machthaber Syriens, Baschar al-Assad, Giftgas einsetzte.

Verbindung zur Schweizer Salafistenszene

Sarah O. hatte während jener Zeit nicht nur über das Internet Kontakt zu deutschen Salafisten gesucht, sondern stand auch in Verbindung mit der Schweizer Salafistenszene. Sie besuchte die berüchtigte Moschee An’Nur in Winterthur, welche 2017 geschlossen wurde. Es war ein Ort, an dem sich Wanderprediger mit «vulnerablen Jugendlichen» trafen, umschreibt Urs Allemann von der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention Winterthur gegenüber dem «Südkurier» die Moschee.

Sarah O. reiste im Oktober 2013 mit einer gefälschten Reiseerlaubnis ihrer Eltern nach Syrien. Ihr Handy sei noch in Aleppo geortet worden, berichtet der «Südkurier». Ihr Vater habe sie als vermisst gemeldet. Der Landesverfassungsschutz deute auch an, dass der Vater es gewesen sei, der die damals 15-Jährige auch ein Stück weit gewähren liess, schreibt der «Südkurier» – und auch, dass Sarah O.s Mutter psychisch krank sei.

Erst nach der Ausreise der damals 15-Jährigen, habe der Landesverfassungsschutz von der Radikalisierung erfahren, schreibt die Konstanzer Zeitung. Auch, weil die Schweizer Behörden in ihrem Handeln eingeschränkt sind: Ohne Terrorverdacht sind Massnahmen wie etwa das Abhören von Handydaten kaum möglich.

Eindrücke vom Leben in Syrien

Sarah O. heiratete Anfang 2014 den IS Kämpfer Ismael S. aus Köln, der mit seinem Bruder ebenfalls im Jahr 2013 nach Syrien ausreiste. Die junge Frau nannte sich fortan Amatul’ Aziz. Gemeinsam hat das Paar drei Kinder bekommen. Die junge Frau führte Wach- und Polizeidienste für den IS aus und liess sich an der Waffe ausbilden. Für ihre Dienste bekamen Sarah O. und Ismael S. ein monatliches Gehalt von 118 US-Dollar. Das entspricht gemäss dem aktuellen Kurs 117.45 Franken. Während fast zwei Jahren kümmerten sich zwei Frauen und ein Mädchen – als Sklavinnen gehalten – um die drei Kinder des Ehepaares.

Auf Facebook postete Sarah O. Eindrücke ihres Alltags in Syrien:

«Schlafen, essen, schiessen, Vorträge anhören.»

Den Terror des «Islamischen Staats» unterstützte sie bewusst: Sie warb via Facebook und Youtube um Mitstreiterinnen, die sich am sogenannten «Heiligen Krieg» beteiligen sollen.

Grösste Herausforderung steht noch bevor

«Sie bereut vieles», zitiert der «Südkurier» den Pflichtverteidiger von Sarah O. – Ali Aydin. «Sie war sehr, sehr jung und hat falsche Entscheidungen getroffen». Gemäss Benno Köpfer vom Landesverfassungsschutz, trage sie aber die Verantwortung für ihr Handeln:

«Sarah hat gezeigt, dass sie nicht nur ein Opfer ist, sondern auch eine Täterin.»

Sarah O. nachzuweisen, was sie getan hat, werde gemäss dem «Südkurier» die grösste Herausforderung im kommenden Prozess sein.

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