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KONSTANZ: Tödlicher Messerstich: Öffentlichkeit ausgeschlossen, Anklageschrift geheim

Seit Dienstag steht ein mittlerweile 18-Jähriger vor den Schranken des Landgerichts. Die Öffentlichkeit bleibt während des gesamten Verfahrens ausgeschlossen.
Eva Maria Vaassen, Konstanz
Anfang März 2017 wurde vor einer Shisha-Bar in der Fritz-Arnold-Strasse in Konstanz ein junger Schaffhauser tödlich verletzt. Blutspuren an einem Auto zeugen von der Tat. (Bild: Jörg-Peter Rau)

Anfang März 2017 wurde vor einer Shisha-Bar in der Fritz-Arnold-Strasse in Konstanz ein junger Schaffhauser tödlich verletzt. Blutspuren an einem Auto zeugen von der Tat. (Bild: Jörg-Peter Rau)

Tödlich endete für einen 19-Jährigen aus dem Kanton Schaffhausen der Besuch einer Shisha-Bar in Konstanz im März vorigen Jahres. Als der junge Mann sich nachts mit einigen anderen Gästen vor dem Lokal befand, wurde er völlig unvermittelt mit einem Messer niedergestochen. Zuvor soll es zu einer Auseinandersetzung zweier Gruppierungen gekommen sein, in die er nicht einbezogen gewesen sein soll. Der 19-Jährige verstarb noch in der gleichen Nacht in einem Krankenhaus.

Die Anklage lautet auf Mord

Als mutmasslicher Täter muss sich seit Dienstag ein zur Tatzeit 17-Jähriger vor der Grossen Jugendkammer am Landgericht Konstanz verantworten. Die Anklage lautet auf Mord. Seit dem Vorfall in der Nacht vom 10. auf den 11. März 2017 befindet er sich in Untersuchungshaft. Vor einer Woche wurde er 18 Jahre alt.

Wegen gefährlicher Körperverletzung mit angeklagt ist ein 21-Jähriger, der mit ihm zusammen in der Tatnacht einen Begleiter des getöteten Jugendlichen aus Schaffhausen verletzt haben soll. Auch der 21-Jährige musste vier Monate in der Untersuchungshaft verbringen, bis er im August vorigen Jahres wieder auf freien Fuss gesetzt wurde.


Der Prozess beginnt mit Verspätung

Der Prozess in Konstanz konnte am Dienstag wegen grossen Publikumsandrangs und strengen Einlasskontrollen erst mit knapp zweistündiger Verspätung beginnen. Nachdem die Personalien der Angeklagten festgestellt worden waren, beantragte der Verteidiger des 18-Jährigen den Ausschluss der Öffentlichkeit.

So mussten die rund 70 anwesenden Zuschauer und Berichterstatter wieder aus dem Gerichtssaal bugsiert werden, weil auch die Beratung und Verhandlung über diesen Antrag nicht öffentlich war. Nach weiterer, rund 20-minütiger Wartezeit verkündete das Gericht seinen Beschluss, die Öffentlichkeit während des gesamten Verfahrens auszuschliessen.

Geplant sind sechs Verhandlungstage, an denen 25 Zeugen, eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe und zwei Sachverständige befragt werden sollen. Teilweise müssen die Aussagen von Angeklagten und Zeugen von zwei Dolmetschern übersetzt werden.

Die Familie des getöteten 19-Jährigen wird vor Gericht in der Nebenklage vom schauspielernden TV-Anwalt (SAT 1) Ingo Lenssen vertreten. Vor Prozessbeginn hatte er den Medienvertretern gegenüber erklärt, dass er sich gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit aussprechen werde. Die Familie des Tatopfers mit Migrationshintergrund würde eine solche Entscheidung nicht verstehen und sich womöglich benachteiligt fühlen.

Das Gericht stufte dann aber den Persönlichkeitsschutz des 18-Jährigen mutmasslichen Täters höher ein als das öffentliche Interesse. Die Entscheidung wurde mit einer deutlichen Reifeverzögerung des zur Tatzeit noch minderjährigen Angeklagten begründet. Dieser Umstand lasse befürchten, dass ihm eine öffentliche Verhandlung und Berichterstattung noch mehr schaden könne. Und zwar umso mehr, als man in diesem Prozess sehr intensiv auf seine Persönlichkeit eingehen müsse. Dies könne auch Bereiche betreffen, welche die zu schützende Privatsphäre betreffen und nicht für die öffentliche Diskussion und Berichterstattung geeignet seien.


Die Anklageschrift bleibt geheim

So blieb den Zuhörern, darunter vor allem Verwandte und Bekannte der Prozessbeteiligten, sowie den Medienvertretern auch der genaue Inhalt der Anklageschrift vorenthalten. Sie wird nach deutschem Recht erst zu Prozessbeginn öffentlich verlesen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft machte am Rande des Prozesses deutlich, was die Ermittlungen ergeben hatten. Demnach habe der damals 17-Jährige "ohne rechtfertigenden Grund, völlig unvermittelt, aus Langeweile und als Machtdemonstration" zugestochen. Mit einem Urteil ist Ende Februar zu rechnen. Ob es öffentlich verkündet werden soll, ist derzeit noch unklar.

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