KOMMENTAR ZUR EINBÜRGERUNG: Fall Alimi: Debatte am falschen Ort

Der Wiler Imam Bekim Alimi wird Schweizer. Die Abstimmung am Donnerstagabend im Stadtparlament Wil fiel mit einem Ja-Stimmenanteil von 26:10 deutlich aus. Ein Nein zu Alimis Einbürgerung wäre sachlich nicht zu rechtfertigen gewesen, schreibt Simon Dudle, Stellvertretender Ressortleiter Wil, in seinem Kommentar.

Simon Dudle
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Zeigte sich nach dem Entscheid erleichtert: Imam Bekim Alimi. (Bild: Urs Bucher)

Zeigte sich nach dem Entscheid erleichtert: Imam Bekim Alimi. (Bild: Urs Bucher)

Die Entscheidung fiel selbst im bürgerlich dominierten Wiler Stadtparlament deutlich aus. Sachliche Argumente, dem seit zwei Jahrzehnten in Wil wohnhaften Imam den roten Pass zu verweigern, gab es nicht. Wer anderes behauptet, stellt sich über die Polizei und über den Nachrichtendienst des Bundes. Beide hatten Alimis Einbürgerungsgesuch eingehend geprüft und keine Einwände dagegen.

Trotzdem wurde das Thema in Wil so heiss und kontrovers diskutiert wie schon lange keines mehr. In der Debatte ging es aber nur vordergründig um die Einbürgerung von Bekim Alimi. In Tat und Wahrheit war es eine Grundsatzdiskussion um die zunehmende Islamisierung in der Schweiz. Die latent vorhandenen Ängste vor dem Islam wurden auf den Wiler Imam projiziert. Er war Blitzableiter und musste seinen Kopf hinhalten für radikale Taten von fundamentalistischen Wirrköpfen.

So wichtig es ist, diese Diskussion zu führen: Sie fand am falschen Ort statt. Der Einbürgerungsrat und das Parlament hatten nicht die Aufgabe, ein Exempel zu statuieren. Ihr Auftrag war es, das Gesuch von Alimi eingehend zu prüfen und über das Ergebnis zu befinden. Der Einbürgerungsrat hat mehrfach beraten, alle relevanten Stellen einbezogen und seinen Spielraum voll ausgeschöpft. Die Faktenlage war eindeutig. Ein Nein zu Alimis Einbürgerung wäre sachlich nicht zu rechtfertigen gewesen.


Lesen Sie <strong>hier</strong> alles nochmals zur Einbürgerung von Imam Bekim Alimi nach.