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KOMMENTAR ZUM SCHICKSAL DER RANDREGIONEN: Lichter löschen im Toggenburg

Das Jufa-Projekt hätte dem Toggenburg, das zuletzt mit dem Bergbahnen-Streit in den Schlagzeilen stand, das gebracht, worauf eine Randregion dringend angewiesen ist: Ein solid finanziertes, innovatives Projekt mit der Aussicht, nachhaltig Wertschöpfung zu generieren, schreibt Chefredaktor Stefan Schmid in seinem Kommentar.
Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt. (Bild: Benjamin Manser)

Es wäre eine grosse Chance für das strukturschwache obere Toggenburg gewesen: Die wirtschaftlich prosperierende österreichische Jufa-Kette wollte für 21 Millionen Franken in Wildhaus ein familienfreundliches Hotel bauen. Öffentliche Wellnessanlage und Kinderspielplatz inklusive. Die Standortgemeinde hätte 7 Millionen Franken locker machen müssen, um die Investition auszu­lösen.

Die Jufa-Gruppe wäre im mit sinkenden Gästezahlen konfrontierten Obertoggenburg wohl Garantin für einen Boom bei den Logiernächten gewesen, wie Erfahrungswerte aus Malbun (FL) zeigen. Dies wiederum, dafür muss man kein Ökonomiestudium an der HSG absolviert haben, hätte positive Auswirkungen auf die ganze Region gehabt. Mehr Eintritte bei den Bergbahnen, Aufträge für das lokale Gewerbe, eine positive Ausstrahlung der ganzen Region weit über die Landesgrenzen hinaus. Balsam auf die geschundene Seele eines Tales, das in jüngster Vergangenheit primär mit dem Streit seiner Bergbahnen Schlagzeilen gemacht hat. Alles in allem, so darf man resümieren, hätte das Jufa-Projekt dem Toggenburg genau das gebracht, worauf schwächelnde Schweizer Randregionen dringend angewiesen sind: Ein solid finanziertes, innovatives Projekt mit der Aussicht, nachhaltig Wertschöpfung zu generieren.

Doch, und damit landen wir auf dem harten Boden der ostschweizerischen Realität, die lokale Bevölkerung wollte davon partout nichts wissen. Sie lehnte am vergangenen Sonntag den 7-Millionen-Kredit an der Urne überraschend deutlich ab. In einer Mischung aus Missgunst, Kleinkrämergeist und fehlender Weitsicht stemmte sie sich gegen den Einstieg des ausländischen Investors.

Klar, Volksentscheide muss man akzeptieren. Das gilt auch hier. Dennoch ist man als unbeteiligter Beobachter gleichsam gezwungen, die Fragen zu stellen, die sich mit Blick auf das Schicksal von Randregionen wie dem Toggenburg zunehmend aufdrängen. Es sind Fragen, die letztlich die Wurzel unseres Gemeinwesens berühren. Fragen, welche die Fundamente des guteidgenössischen Interessensausgleichs und Föderalismus tangieren.

Mit weit über einer Milliarde Franken versuchen Eidgenossenschaft und Kantone seit Jahren, Randregionen auf die Beine zu helfen. Oder zumindest zu verhindern, dass sich Landstriche weiter entvölkern. «Neue Regionalpolitik» heisst das im Jargon. Davon konnte da und dort auch das Toggenburg profitieren, etwa bei der Erneuerung der Standseilbahn auf den Iltios oder dem Bau einer Beschneiungsanlage. Die Mittel werden freilich nur für Projekte gesprochen, die sich mittelfristig rentieren. Die Zeiten, als in jedem abgelegenen Täli Mehrzweckhallen finanziert wurden, sind zum Glück vorbei.

Investitionen in Randregionen sind politisch verhältnismässig breit abgestützt. Diese Art helvetischer Alpensozialismus trägt nach Lesart einer Mehrheit zum Zusammenhalt des vielfältigen und heterogenen Landes bei. Die Schweiz wäre nicht mehr die Schweiz, würde sie ihre Provinzen ähnlich wie Frankreich vergammeln lassen. Doch die Stimmen, die eine Fokussierung des Mitteleinsatzes auf die prosperierenden Zentren fordern, werden auch bei uns hörbar lauter. Ein in Zürich oder St.Gallen investierter Franken löst in aller Regel mehr Wertschöpfung aus als es derselbe Franken vermag, der im Obertoggenburg oder in der Surselva ausgegeben wird. Wenn nun aber Regionen wie das obere Toggenburg nicht einmal willens sind, selber in ihre Zukunft zu investieren, dann drängt sich unweigerlich die Frage auf, in welchem Ausmass dies Bund und Kantone überhaupt noch tun sollen.

Die Bewohnerinnen und Bewohner ländlicher Gegenden müssen sich entscheiden: Wer am Wachstum partizipieren will, kann nicht ausschliesslich die hohle Hand machen. Von nichts kommt nichts. Man muss es nach dem Volksentscheid vom Sonntag so sagen: Mutlosigkeit und Kleingeist sind keine Rezepte gegen den Niedergang.

Stefan Schmid

So soll die Südseite des geplanten Jufa-Hotels in Wildhaus aussehen.Visualisierung: Jufa

So soll die Südseite des geplanten Jufa-Hotels in Wildhaus aussehen.Visualisierung: Jufa

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