KOMMENTAR: Zeit für lauten Protest

Die Ostschweiz hat grosse Defizite bei der Erreichbarkeit auf der Schiene. "Die St.Galler Regierung muss bei Verhandlungen in Bern endlich vehementer auftreten, um die eigenen Forderungen durchzubringen", schreibt Christoph Zweili in seinem Kommentar.

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Politiker fordern, dass künftig zwei Züge pro Stunde von Zürich nach St.Gallen fahren. (Bild: Urs Bucher/Symbol)

Politiker fordern, dass künftig zwei Züge pro Stunde von Zürich nach St.Gallen fahren. (Bild: Urs Bucher/Symbol)

Die Ostschweiz hat im Vergleich mit anderen Regionen grosse Defizite bei der Erreichbarkeit auf der Schiene. Gemäss den offiziellen Planungen der Kantone, von Bund und SBB wird die Bahn 2000 auch im Jahr 2030 noch nicht wirklich in der Ostschweiz angekommen sein. Für St.Gallen ist das damit verbundene Knotenprinzip nicht einmal mehr ein Versprechen. Für einen Vollknoten im Fernverkehr-System, wie ihn die vorberatende Kommission des Kantonsrats nun dezidiert und einstimmig verlangt, braucht es eine Fahrzeit zwischen Zürich und St.Gallen von unter einer Stunde. Und Infrastrukturausbauten: Dafür bereits gesprochene Mittel von 75 Millionen Franken für Leistungssteigerungen insbesondere zwischen Wil und St.Gallen will das Bundesamt für Verkehr allerdings wieder streichen.

Es ist nun schon das zweite politische Gremium, das politisch Druck macht und lautstark einen zweiten stündlichen schnellen Zug zwischen Zürich und St.Gallen fordert. Bereits Anfang Oktober hatten sämtliche St.Galler Kantonsratsfraktionen in einem gemeinsamen Communiqué auf die vom Bundesrat präsentierte Vernehmlassungsvorlage zum weiteren Bahnausbau reagiert. Eine Protestnote, die von den Medien schweizweit gehört und aufgegriffen wurde. Dass auf dem Korridor Winterthur–Wil–St.Gallen–Rheintal keine der verlangten Leistungssteigerungen realisiert werden soll, ist ein Affront gegenüber der Ostschweiz. Auf der einen Seite forciert der Bund den Brüttenertunnel - ein 2,5-Milliarden-Projekt, das für die Ostschweiz lediglich eine Minute Fahrzeitgewinn bringt. Auf der andern Seite ist als einziges Projekt mit St.Galler Bezug ein Kapazitätsausbau der Regionalbahn Frauenfeld–Wil aufgeführt. Das ist in der Tat inakzeptabel.
Die Haltung der vorberatenden Kommission ist allerdings auch eine Aufforderung an die St.Galler Regierung, bei Verhandlungen in Bern endlich vehementer aufzutreten, um die eigenen Forderungen durchzubringen. Man will politischen Druck aufbauen. Wenn sich auch der Kantonsrat im November einstimmig hinter die Kommission stellt, dürfte das in Bern sehr wohl gehört werden.

Christoph Zweili
christoph.zweili@tagblatt.ch