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KOMMENTAR: Wer sich über ertrinkende Menschen lustig macht, überschreitet alle Grenzen des guten Geschmacks

Schwarze Hände, die aus dem Meer ragen, eine Asylbar in der Einwanderungsbehörde: Eine Fasnachtsclique hat mit ihrem Wagen am Umzug in Aadorf für einen Eklat gesorgt. "Mit Verlaub, liebe Festbrüder: Satire geht anders!", schreibt Chefredaktor Stefan Schmid in seinem Kommentar.
Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter)

Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter)

Es ist Fasnachtszeit. Man verkleidet sich, um temporär in eine andere Rolle zu schlüpfen, den Alltag zu vergessen. Zur ausgelassenen Stimmung trägt auch der hohe Alkoholkonsum bei. Sei’s drum. Jeder ist selber verantwortlich für sein Tun. An der Fasnacht ist vieles erlaubt. Schräges, Kurioses, Erotisches, Satirisches. Grossartig, was Schnitzelbänggler in Basel etwa, aber auch bei uns in der Ostschweiz, Jahr für Jahr komponieren. Hut ab vor diesen oft originellen, künstlerisch ansprechenden Leistungen.

Was sich nun aber eine Fasnachtsclique in Aadorf geleistet hat, geht auf keine Kuhhaut. Im Rahmen des Mottos "Multikulti" für den diesjährigen Umzug haben sich die Hülsnerbuben Dietschwil eine speziell geschmacklose Dekoration für ihren Fasnachtswagen einfallen lassen. Da sind schwarze Hände zu sehen, die aus dem Meer ragen. Oder ein Plakat mit der Aufschrift "Gratis Handy". Oder eine "Asylbar" in der "Einwanderungsbehörde". Darüber thront eine Blache mit der Aufschrift "Asylparadies CH". Mit Verlaub, liebe Festbrüder: Satire geht anders. Wer sich über ertrinkende Menschen und ihr tragisches Schicksal lustig macht, handelt pietätlos und überschreitet alle Grenzen des guten Geschmacks.

Die Hülsnerbuben planen, ihren Wagen auch in Bütschwil und Kirchberg vorzuführen. Sie würden Grösse zeigen, wenn sie das Sujet ändern und sich für die Entgleisung entschuldigen. Sollten sie dazu nicht in der Lage sein, liegt es an den zuständigen Behörden, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Ein Fasnachtsumzug, der für die Verbreitung stereotyper, letztlich rassistischer Botschaften missbraucht wird, ist nicht nur unserer Region unwürdig.

Stefan Schmid
stefan.schmid@tagblatt.ch

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