Kommentar: Tue Gutes und sprich darüber

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Es gibt solche Lehrer und die anderen. Auch unter den Kantonsschullehrerinnen und -lehrern. Es gibt jene, die mit Leib und Seele unterrichten. Deren Begeisterung für ihr eigenes Fach so gross ist, dass sie ihren Schülern unter Einsatz all ihrer Kräfte einen spannenden Unterricht bieten wollen. Sie vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch Emotionen – etwas, das bei 14- bis 19-Jährigen besonders gut ankommt. Sie verstehen, dass sie die Entwicklungen in der Welt nicht ausblenden können, wenn sie das Interesse der Teenager an ihrem Fachbereich wecken wollen. Also halten sie ihr Unterrichtsmaterial à jour, beziehen den digitalen Wandel ein, reagieren auf Wünsche der Schüler, sind offen und flexibel. Und in der Lage, das nötige Grundwissen bis zur Matura zu vermitteln. Dieses geht im besten Fall relativ tief hinein in die Materie – je nach dem, was der Schüler daraus macht.

Die anderen sind Lehrer geworden, weil sie gerade auch nicht so genau wussten, was sie sonst machen sollten. Weil sie Fächer studierten, wo sich das Höhere Lehramt grad so anbot. Weil sie auf Forschung irgendwie nicht so Lust hatten. Oder auf die Privatwirtschaft (hart! konkurrenzgetrieben!). Und weil es ein gut bezahlter Job beim Staat mit vielen Annehmlichkeiten wie langen Ferien, hoher Arbeitsplatzsicherheit und einer soliden Altersvorsorge ist.

Womit vor allem Letztere nicht gerechnet haben: Der Beruf des Gymnasiallehrers hat sich verändert. Die Zeiten, wo man mit den iden- tischen Unterrichtsunterlagen und der immer gleichen Literaturliste über Jahrzehnte eine ruhige Kugel schieben konnte, sind lange vorbei. Die Ansprüche von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Rektoren und Lehrplänen haben sich verändert. Der von vielen Gymnasiallehrern heiss geliebte Frontalunterricht – einer redet, die anderen hören zu – gehört immer mehr der Vergangenheit an.

Wer damit ein Problem hat, sollte besser nicht mehr Lehrer werden. Wer hingegen über genug Sozialkompetenz verfügt und bereit ist, sich auf das Abenteuer Gymnasium einzulassen – und zwar mit allem, was es an Herausforderungen mit sich bringt – darf in der Öffentlichkeit auch einmal etwas von sich hören lassen. Und zu bedenken geben, dass er Grosses und Wichtiges leistet: die Ausbildung der künftigen Akademiker, Forscherinnen und Führungskräfte. Und nicht zuletzt muss angesichts der manchmal zwiespältigen bildungspolitischen Entwicklung in der Schweiz gelten: Bildung darf etwas kosten. Von ihr hängt die Zukunftsfähigkeit der Schweiz ab. Auch von ihren Gymnasiallehrkräften, die sich – im Unterschied zu lauteren Lehrergruppen – bisher sehr zahm und höflich für ihre Interessen einsetzen. 

Odilia Hiller

odilia.hiller@ostschweiz-am-sonntag.ch