Kommentar: Region und Uni müssen am selben Strick ziehen

Zur Sache

Adrian Vögele
Drucken
Teilen

Die Ostschweiz hat ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Universität. Die HSG, das ist die global ausgerichtete Kaderschmiede für Grosskonzerne, nur schon durch ihre erhöhte Position auf dem Rosenberg schön abgehoben von der Region und dem Durchschnittsbürger – so lautet das Klischee. Im städtischen Publikum hätten manche lieber eine Volluniversität mit fachlicher Breite statt einer Wirtschaftsuni. An den Stamm­tischen auf dem Land herrscht derweil vielerorts die Meinung, es gebe ohnehin schon viel zu viele Akademiker, egal von welchem Fach.

Die Skepsis gegenüber der HSG stellt deren Leistungen für die Ostschweiz leider oft in den Schatten. Dass die Spezialisierung der HSG auf Wirtschaft auch für die Region von Vorteil ist, zeigen die vielen Firmengründungen – mit Arbeitsplätzen für alle Bildungsstufen, nicht nur für Akademiker. Und so reizvoll die Vorstellung von einer Volluniversität in St. Gallen auch scheinen mag: Sie ist nur schon deshalb nicht sinnvoll, weil Zürich und Konstanz nur eine Stunde entfernt sind. Dass die HSG punktuell fachliches Neuland betritt, ist hingegen eine Chance: Mit den Studiengängen in Medizin und Informatik kann die Uni beweisen, dass sie bereit ist, sich an der Förderung des Standorts Ostschweiz noch stärker als bisher zu beteiligen. HSG-Rektor Thomas Bieger weist jedoch zu Recht darauf hin, dass es mehr braucht als neue Studienangebote, um kreative Köpfe in die Ostschweiz zu holen – zum Beispiel gut vernetzte, urbane Begegnungszonen für den Austausch von Wissen und Ideen. Dafür muss die Region als Ganzes Anstrengungen unternehmen, über Kantonsgrenzen und Bildungsstufen hinweg. Wenn Region und Uni am selben Strick ziehen, profitieren alle.