Kommentar
Ostschweizer Widerstand gegen Impfoffensive: Die Abwehrhaltung ist kontraproduktiv

Die Ostschweizer Regierungen können der nationalen Impfoffensive wenig Gutes abgewinnen. Nun sind ihre eigenen Ideen gefragt. Mit ihrer passiven Haltung senden sie falsche Signale aus – damit werden sie ihre impfskeptische Bevölkerung nicht überzeugen.

Michael Genova
Michael Genova 2 Kommentare
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Fehlende Kostendeckung: Die Ostschweizer Kantone schlagen vor, den Hausärzten eine höhere Entschädigung für Impfungen zu bezahlen.

Fehlende Kostendeckung: Die Ostschweizer Kantone schlagen vor, den Hausärzten eine höhere Entschädigung für Impfungen zu bezahlen.

Bild: Cyril Zingaro/Keystone

Die Ostschweizer Kantone stehen am Ende der nationalen Impfrangliste. Und trotzdem lehnen die hiesigen Regierungen die meisten Vorschläge der bundesrätlichen Impfoffensive ab. Wie kann das sein?

Impfbusse lehnen sie ab, weil sie kaum nachgefragt würden. Impfberater lehnen sie ab, weil die Hausärzte die besseren Berater seien. Und Impfgutscheine seien ein «Hohn», weil damit Zögerer belohnt würden. Nur die Impfwoche stösst auf Anklang. Immerhin machen die Ostschweizer Kantone einen eigenen Vorschlag: Sie fordern, dass die Ärzteschaft eine höhere Entschädigung für die Impfung erhält. Das ist ein kluger Vorstoss, doch es braucht mehr eigene Ideen statt blosser Ablehnung.

Überhaupt sollten sich die Ostschweizer Regierungen überlegen, welches Bild sie in der Öffentlichkeit abgeben. Seit Ausbruch der Pandemie sind sie im Reaktionsmodus. Sie tun nur, was sie unbedingt müssen. Mit dieser passiven Haltung senden sie falsche Signale an die Bevölkerung.
Der Kanton Graubünden macht es anders. Er war von Anfang an viel experimentierfreudiger unterwegs. So war er etwa Vorreiter bei den Corona-Massentests oder bei repetitiven Tests an Schulen. Und er schuf ein Bewusstsein dafür, wie wichtig die Impfung für das Überleben des Tourismus ist. Mit dem Resultat, dass im ländlichen Graubünden die Impfquote über dem Schweizer Durchschnitt liegt. Das zeigt: Die Wahrnehmung bestimmt die Realität. Die Bündner Regierung konnte mit ihrer Offenheit die Impfbereitschaft beeinflussen.

Und wie steht es um das Argument der Innerrhoder Gesundheitsdirektorin Monika Rüegg-Bless, dass mehr Druck nur den Widerstand erhöhe? Es mag sein, dass sie diesen Widerstand zuletzt verstärkt gespürt hat. Doch Überzeugungsarbeit ist ein Marathon. Die Regierungen dürfen das Rennen nicht frühzeitig aufgeben. Um es deutlich zu sagen: Bisweilen ist es auch ihre Aufgabe, die Bürgerinnen und Bürger zu nerven – und weiterhin zu vermitteln, wie wichtig die Impfung für unsere Gesellschaft ist. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit beharrlichem Gleichmut und nüchternen Argumenten.

2 Kommentare
Luisa Zumthor

Sie schreiben in Ihrem Beitrag, dass Ideen gefragt sind, um die Impfoffensive anzukurbeln und eine passive Haltung falsche Signale an die Bevölkerung sendet. Leider ist es so, dass es – auch wenn es sich um eine Minderheit handelt – Geimpfte wie mich gibt, die von starken Nebenwirkungen betroffen sind, die allenfalls nicht lebensbedrohlich sind, aber die Lebensqualität erheblich einschränken. In meinem Fall handelt es sich um starke Kopfschmerzen, die konstant seit Wochen andauern und sich durch kein Schmerzmittel lindern lassen. Mein Hausarzt ist offensichtlich damit überfordert, sieht keinen Zusammenhang zur Impfung und er wird auch keine Meldung an Swissmedic machen. Viele Menschen scheuen sich gerade aus diesem Grund vor einer Impfung, weil sie von solchen Fällen hören. Ich bin mir sicher, dass eine offene Auseinandersetzung mit diesem Thema einer Impfoffensive nicht schadet, sondern im Gegenteil das Vertrauen der Bevölkerung stärken würde. Und hier sind tatsächlich Ideen gefragt: Wie wäre es, eine kompetente unabhängige Anlaufstelle für Menschen mit Impfnebenwirkungen einzurichten? Das Wissen, dass es einen solchen Ort gibt, würde sicher die richtigen Signale an die impfskeptische Bevölkerung senden. Ich würde es begrüssen, wenn Sie in einem Beitrag untersuchen, wie die alltägliche Praxis bezüglich Meldungen an Swissmedic in Hausarztpraxen tatsächlich abläuft. Darüber hinaus sollten auch von starken Impfnebenwirkungen Betroffene in Ihrer Zeitung zu Wort kommen.

Robert Ineichen

Oefters erhalte ich Anrufe aus irgendwelchen Call-Centern, die mir irgend etwas verkaufen wollen, sei es ein Zeitungs-Abo, sei es eine neue Krankenkasse. Es gibt so vieles. Meistens reagiere ich ablehnend, da ich die Gründe nicht sofort einsehe, worauf dann die Gegenseite zumeist agressiver reagiert und mich um jeden Preis zu überzeugen versucht. Nur bewirkt dann bei mir das wiederum das Gegenteil und ich komme zum Schluss, dass etwas in diesem Geschäft faul sein muss. Analog scheint es mir bei bei diesen Impfkampagnen zu sein. Immer agressiver wird von Seiten des BAG agiert. Um jeden Preis sollen wir Ungeimpften überzeugt werden und immer mehr habe ich das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Ginge es nur um die ersten beiden Impfungen, die für den Rest des Lebens ausreichen würden, könnte man sich ja noch anschliessen. Aber jedermann weiss, dass diese ein Ablaufdatum haben. Und was dann? Wird es soweit kommen, dass man sich darauf jährlich, halbjährlich impfen lassen muss? Siehe Beispiel Israel.  Diese Fragen werden stets ausgeklammert oder vehement abgetan. Für mich das Ganze wenig überzeugend. Und je lauter die Propaganda um so weniger bin überzogen.

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