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KOMMENTAR: Ostschweizer Spitäler: Wer hat noch keins, wer will noch eins?

Die Kosten für das Gesundheitswesen laufen aus dem Ruder, schreibt Chefredaktor Stefan Schmid in seinem Samstagskommentar. Dafür seien auch die Kantone verantwortlich.
Das heutige Spital Appenzell soll ersetzt werden. (Bild: Ralph Ribi)

Das heutige Spital Appenzell soll ersetzt werden. (Bild: Ralph Ribi)

Das Resultat hat sich abgezeichnet: Die Innerrhoder Politik will partout an einem eigenen Gesundheitszentrum mit angegliederter Bettenstation für die gut 16'000 Seelen festhalten. Auch in zweiter Lesung sprach sich der Grosse Rat diese Woche dafür aus, im beschaulichen Appenzell über 40 Millionen Franken in den Bau eines neuen Spitals zu investieren. Für die Mehrheit ist es unzumutbar, für stationäre Behandlungen ins 18 Kilometer entfernte St.Gallen zu fahren.

Die lokalen Politiker argumentieren entwaffnend offen: Es geht nicht um die bestmögliche Lösung im allgemeinen Interesse. Was zählt ist: Innerrhoden first. Das Geld der Innerrhoder soll in Innerrhoden bleiben. Eine ökonomische wie politische Horizontverengung, die ihresgleichen sucht. Fakt ist: Innerrhoden hat auch deshalb die schweizweit tiefsten Krankenkassenprämien, weil es bisher allzu hohe Fixkosten vermeiden konnte. Doch derlei Einwände haben die Regierung offenbar nicht zu betrüben. Ein Mann aus dem Volk bringt gegenüber Radio FM1 die romantisch-lokalpatriotische Stimmungslage so auf den Punkt: «Wir Innerrhoder sterben lieber in Appenzell als in Herisau oder St.Gallen.» Das letzte Wort hat die Landsgemeinde Ende April.

Szenenwechsel: Auch die 55000 Ausserrhoder sterben lieber in eigenen Betten als in fremden. Sie halten daher gehauen oder gestochen an den bisherigen Spitalstandorten in Heiden und Herisau fest, obwohl diese hoch defizitär sind. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit Innerrhoden ist vor Jahren gescheitert. Jene mit St.Gallen will nicht in die Gänge kommen. Hier wie dort gilt: Kantonale Politiker sind nur dem eigenen Wahlvolk Rechenschaft schuldig. Sie geben daher teuren kantonalen Alleingängen den Vorzug gegenüber effizienten Kooperationsmodellen mit naheliegenden Partnern. Ein Systemversagen, das schweizweit zu beobachten ist.

Nicht viel besser die Lage beim grossen Nachbarn in St.Gallen: Die 930-Millionen-Sanierung der zahlreichen Spitäler, vom Volk 2014 mit grossem Mehr gutgeheissen, droht zum Fass ohne Boden zu werden.Die Tarife sinken, ebenso manchenorts die Auslastung. Folge: Die Einnahmen erodieren. Gleichzeitig strebt die St.Galler Regierung wagemutig den Aufbau einer eigenen Herzchirurgie an – als gäbe es andernorts davon nicht schon genug.

Gewiss, das Schweizer Gesundheitswesen ist qualitativ gut. Die Kosten indes laufen aus dem Ruder. Bereits beträgt der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandprodukt über 12 Prozent. Das ist fast Weltrekord. Für dieses ungehemmte Wachstum gibt es naturgemäss verschiedene Treiber: Ärzte, die ihren Lohn erhöhen, indem sie zusätzliche Leistungen verschreiben. Patienten, die wegen Bagatellen zum Spezialisten rennen. Innovative, teurere Medikamente. Der politisch gewollte Heimatschutz für die Pharmaindustrie, neue Behandlungsmethoden, die Alterung der Bevölkerung. Und, und, und.

Ein entscheidender Faktor aber sind die Spitäler respektive die Kantone, welche für die Spitalplanung verantwortlich zeichnen. 35 Prozent der ­jährlich aufgeworfenen rund 80 Milliarden Franken fliessen in stationäre und ambulante Spitalbehandlungen.

In den Kantonen wird mit jedem Prämienschub die Einsicht wachsen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Die föderalistische Eigenbrötlerei auf kleinstem Raum treibt die Kosten hoch. Gefragt sind grössere Spitalregionen – also die Planung von Kapazitäten, Ausrüstung und Investitionen über aktuelle politische Gebietsgrenzen hinaus. Eine Expertengruppe des Bundes schlägt schweizweit sechs Spitalregionen vor. Das wäre eine Revolution. Im März nimmt sich der Bundesrat der heiklen Sache an. Angesichts der Unfähigkeit der Kantone, die milliardenteure Kirchturmpolitik zu hinterfragen, ist Druck aus Bern aber dringend nötig. Die jährlich steigenden Krankenkassenprämien werden eher früher als später zu einer sozialpolitischen Bombe.

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