Kommentar: Mutig in die Verlängerung

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So einstimmig wie der ­Verwaltungsrat hätte das Abonnentenpublikum Jonas Knecht wohl kaum bestätigt. Das ist bei keinem Theater­intendanten der Fall – in keiner Stadt. Und das ist auch nicht nötig. Man braucht nicht mal die grossen Namen Peymann, Castorf, Marthaler zu erwähnen. Ein Blick nach Konstanz genügt, wo ein wüster Streit um die Vertragsverlängerung von Christoph Nix ausgefochten wird. Jonas Knecht ist umstritten. Nicht wegen politischen Provokationen wie Nix. Sondern manche verspotten seine künstlerische Handschrift als Kasperlitheater für Erwachsene.

Manchmal konnte es einem zu viel werden, dass auf der Bühne alles ins Groteske überzogen wird. Aber die Freude überwiegt eindeutig: am frischen, explizit politischen Gegenwartsbezug und an den zeitgenössischen Theaterformen, mit denen Jonas Knecht alle Medien, inklusive Tanz, Kunst und Film einbaut. Theater soll erfreuen, darf aber auch ver­ärgern. Über Kunst darf man streiten. Der Verwaltungsrat hat Mut bewiesen. Gut so.

Hansruedi Kugler