Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KOMMENTAR: #MeToo und Sexismus: Die Männer müssen jetzt stark sein

Die Debatte über Sexismus hat in den vergangenen Wochen teils hässliche Züge angenommen - und was noch kommt, wissen wir nicht. "Nicht angezeigt sind Angst, Härte und Verbitterung", schreibt Odilia Hiller, Leiterin der "Ostschweiz am Sonntag", in ihrem Kommentar.
Ein Hashtag dominiert die Schlagzeilen: Unter dem Begriff "#MeToo" wird weltweit über Sexismus diskutiert. (Bild: BRITTA PEDERSEN (DPA dpa-Zentralbild))

Ein Hashtag dominiert die Schlagzeilen: Unter dem Begriff "#MeToo" wird weltweit über Sexismus diskutiert. (Bild: BRITTA PEDERSEN (DPA dpa-Zentralbild))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Die Diskussion um #MeToo, sexuelle Belästigung und verkrustete Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau ist hitzig und emotionsgeladen. Sie hat in den vergangenen Wochen teils hässliche Züge angenommen. Auch in der Schweiz. Der Rücktritt des Walliser CVP-Nationalrats Yannick Buttet ist gerade einmal eine Woche her, das Outing durch den «Tages-Anzeiger» des Ringier-Chefredaktors Werner de Schepper als notorischer Schwerenöter und «Tööpli» ein paar Tage alt. Was noch kommt, wissen wir nicht. Begleitet werden die Ereignisse von kämpferischen Aussagen aufgebrachter Frauen, die ihre Geschlechts­genossinnen dafür verteidigen, dass sie ihre Anschuldigungen anonym erheben – um berufliche Nachteile zu vermeiden. Demgegenüber stehen Kommentare zumeist männlicher Internet-Trolls, welche die Frauen pauschal verunglimpfen und in die «Du Schlampe hast es doch gewollt»-Ecke stellen.

Letzteres geht nicht. Unter keinem Titel, nie. Und doch ist es Teil der Lebensrealität der meisten Frauen. Sie finden sich in Situationen wieder, die ein schales Gefühl hinterlassen. In der Arbeitswelt, im Ausgang, im Alltag. Sagt eine Frau allerdings, sie könne damit umgehen und fühle sich in der Lage, Männern ihre Grenzen selber aufzuzeigen, gerät sie sofort unter Verdacht mangelnder Solidarität mit der #MeToo-Bewegung. Das geht ebenso wenig. Es hat nichts mit gegenseitigem Respekt zu tun.

Und doch: Es ist wichtig, dass alle mitreden. Und es ist wohltuend, dass die Ostschweizer Politikerinnen, die wir um eine Einschätzung gebeten haben, sich differenziert äussern. Es gibt nichts zu beschönigen, aber es gibt auch keinen Grund, in Kulturpessimismus zu verfallen und das Ende guter, entspannter Beziehungen zwischen Männern und Frauen heraufzubeschwören.

Was jetzt gefragt ist, sind Haltung und Sensibilität. Nicht angezeigt sind Angst, Verhärtung und Verbitterung. Natürlich ist es okay, sich aufzuregen und es beelendend zu finden, wie viele Frauen ihre Energie auf lächerliche zwischengeschlechtliche Grabenkämpfe verwenden müssen – und wie oft es männlich geprägten Umgebungen gelingt, das Blatt gegen die betroffenen Frauen zu wenden: Diese gelten dann wahlweise als überempfindlich, überfordert oder zu emotional, während Männern alle möglichen Unsitten als Stärke angerechnet werden. Es ist auch in Ordnung, wenn Männer sich dieser Tage einen kurzen Moment lang fragen, ob sie den Bogen allenfalls auch schon überspannt haben. Ob sie die Grenzen einer Frau auch schon missachtet haben. Dann aber braucht es eine eigene, klare, starke Haltung. Und Werte, zu denen man steht – auch unter Einfluss von Macht oder Alkohol.

Odilia Hiller
odilia.hiller@ostschweiz-am-sonntag.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.