Kommentar
Rekord-Überschuss im Thurgau: Jetzt braucht es eine Geste an die Bevölkerung

Die Staatsrechnung 2020 des Kantons Thurgau fällt nicht nur besser aus als budgetiert. Mit einem Überschuss von 100 Millionen Franken resultiert ein Rekordergebnis.

Christian Kamm
Christian Kamm
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Einmal kräftig kneifen bitte, um sicherzugehen, dass alles nicht doch nur ein Traum ist. Dass tatsächlich stimmt: Der Kanton Thurgau hat im Coronajahr 2020 den grössten Gewinn seiner Geschichte erzielt. Wirtschaftlich liegt so viel wie noch nie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs am Boden – und die Staatskasse des Kantons schwimmt in einem Überschuss wie nie.

Gerade jetzt gilt es aber – bitte nochmals kneifen – den Kopf nicht zu verlieren und keine übereilten Schlüsse zu ziehen. Wer die Rechnung 2020 genauer anschaut, der sieht, dass der Rekord vor allem ein geschenkter ist. Herzlichen Dank, liebe Nationalbank. Und so ist leider zu befürchten: Finanziell betrachtet kommt das dicke Corona-Ende erst noch.

Früher oder später muss sich das, was im Zeichen der Lockdowns auch in diesem Kanton alles abgewürgt worden ist, in den Steuerbüchern niederschlagen. Dann, liebe Möchtegern-Steuersenker, könnte der grosse Katzenjammer folgen. Man stellt keine finanzpolitischen Weichen in einer Phase grosser Unsicherheiten, in der niemand weiss, wie es weitergeht. Nachhaltige Finanzpolitik sieht anders aus.

Was es angesichts dieses traumhaften Rechnungsabschlusses in einer traumatischen Zeit aber braucht, ist eine Geste an die Bevölkerung. Ein Teil des Rekordgewinns sollte an die Menschen in diesem Kanton zurückfliessen, die auch in ausserordentlichen Zeiten ihre Bürgerpflicht erfüllt und brav Steuern gezahlt haben. 130 findige Köpfe im Grossen Rat sind aufgerufen, Mittel und Wege für einen einmaligen Steuerbonus auszutüfteln. Der Wettbewerb ist eröffnet.