Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar: Faire Löhne sind nicht das Problem der Frau

Der Eiertanz, den der Ständerat diese Woche um das Thema der ungleichen Löhne von Männern und Frauen vollführte, ist symptomatisch für das Unbehagen, welches das Thema umgibt. Der Ständerat hat einen Gesetzesvorschlag des Bundesrats zur periodischen Überprüfung der Löhne in grösseren Schweizer Unternehmen an die Kommission zurückgewiesen. Das Stimmenverhältnis betrug 25 zu 19 – es war also alles andere als eine eindeutige Sache. Der Auftrag: andere Lösungen prüfen.

Positiv ist zu vermerken, dass mittlerweile irgendwie alle finden, dass unerklärbare Lohnunterschiede von 17 bis 20 Prozent zwischen Männern und Frauen – je nach Sektor – etwas viel sind. Und dass, wie es so schön heisst, «Handlungsbedarf besteht». Die Augen reibt sich aber, wer einige der im Ständerat vorgeschlagen Alternativen näher studiert. So wird beispielsweise allen Ernstes erwogen, im Rahmen eines «Pilotprojekts» erst einmal den Bund in Sachen Lohngleichheit unter die Lupe zu nehmen – und die Privatwirtschaft noch für einige Zeit unbehelligt zu lassen.

Sollten sich Hinweise auf Diskriminierung beim Bund verdichten, könnten «Bundesangestellte ohne Angst vor Entlassung klagen». Was im Klartext hiesse, dass die Verantwortung für die Behebung unfairer Lohnunterschiede weiterhin bei den Frauen läge: Diese können ja klagen, wenn ihnen das Salär nicht passt, und gucken, wie sie zu ihrem Geld kommen.

Das ist skandalös, scheinheilig und zudem ein Schlag ins Gesicht jeder berufstätigen Frau. Heisst es doch faktisch: Gut möglich, dass es ungerechtfertigte Lohnunterschiede gibt. Aber eure Chefs verklagen, um zu eurem Recht zu kommen, müsst ihr dann schon selber. Für die Arbeitgeber gilt die Unschuldsvermutung, bis nicht ein Gericht das Gegenteil beweist. Das zeigt, für wie wichtig gewisse Leute, mehrheitlich rechts der Mitte, das Problem halten: eigentlich gar nicht. Und etwas daran ändern sollen, wenn schon, die Frauen selber.

Der Vorschlag zielt ausserdem an der Realität vorbei: Eine Lohnklage wegen Diskriminierung – und sei sie noch so gerechtfertigt – ist aufwendig, riskant und braucht Mut. Und sie kann das Verhältnis der Arbeitnehmerin zum Arbeitgeber nachhaltig trüben. Welcher Chef verspürt schon Lust, die Karriere einer Frau zu fördern, die gerade noch gegen ihn geklagt hat?

Wenn der Staat also möchte, dass sich in Sachen Lohngleichheit noch möglichst lange nichts verändert, sollte er diesen Weg einschlagen. Und sich nicht allzu sehr wundern, wenn es viele Frauen weiterhin nicht besonders drängt, ihr Fachwissen in eine Arbeitswelt einzubringen, die sie von Anfang an zu Bittstellerinnen degradiert.

Odilia Hiller

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.