KOMMENTAR: Diskriminierung - ein logisches Urteil

Das Heilbad Unterrechstein hat Kindern mit Behinderung den Eintritt verwehrt. Das ist Diskriminierung, hat das Ausserrhoder Kantonsgericht entschieden. Richtig so. "Berührungsängste lassen sich nur abbauen, wenn sich Menschen mit und ohne Behinderungen regelmässig begegnen", schreibt Redaktor Johannes Wey.

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Die Abweisung von Kindergärtlern mit Behinderung war Diskriminierung, sagt das Ausserrhoder Kantonsgericht. (Bild: Benjamin Manser)

Die Abweisung von Kindergärtlern mit Behinderung war Diskriminierung, sagt das Ausserrhoder Kantonsgericht. (Bild: Benjamin Manser)

Das Heilbad Unterrechstein im appenzellischen Grub hat 2012 eine Klasse der Heilpädagogischen Schule Heerbrugg abgewiesen. Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung würden bei anderen ­Badegästen auf wenig Akzeptanz stossen, lautete die Begründung. Bei seinen Rechtfertigungsversuchen gebrauchte der Verwaltungsratspräsident Worte wie «unzumutbar» und ­«abstossend».

Menschen den Zugang zu einem Bad aufgrund ihrer Behinderung zu verweigern ist diskriminierend – was denn sonst! Dies hat nun auch das Ausserrhoder Kantonsgericht entschieden.

Dass sich das Heilbad Unterrechstein um das Wohl seiner Gäste sorgt, ist zwar löblich. Hier haben sich die Verantwortlichen aus falsch verstandener Gastfreundschaft aber völlig ins Abseits manövriert. Die Intoleranz der eigenen Kundschaft vorzuschieben, um die eigene zu rechtfertigen, geht nicht. Man stelle sich vor, ein Restaurant würde ausländische Menschen nur deshalb abweisen, weil andere Gäste etwas gegen Ausländer haben.

Viele sind sich den Anblick von Menschen mit Behinderung nicht gewohnt. Und schon gar nicht von Menschen mit Mehrfachbehinderung im Hallenbad. Wenn das Befremden auslöst, liegt die Schuld dafür nicht bei den Behinderten. Berührungsängste lassen sich nur abbauen, wenn sich Menschen mit und ohne Behinderungen regelmässig begegnen – und nicht voneinander isoliert werden.

Johannes Wey
johannes.wey@tagblatt.ch