KOMMENTAR
Die St.Galler SP verkümmert in der linken Ecke

Die prononciert linke Juso-Aktivistin Andrea Scheck soll künftig die SP zu Wahlerfolgen führen. Die Konkurrenz kann sich ins Fäustchen lachen.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Designierte SP-Chefin Andrea Scheck.

Designierte SP-Chefin Andrea Scheck.

Bild: PD

Auf den Altlinken Max Lemmenmeier folgt die Jungsozialistin Andrea Scheck. Das ist per se nichts Schlechtes. Die 28-jährige Stadtparlamentarierin hat politisches Talent. Innerhalb der Sozialdemokratie trauen ihr viele das Amt der Parteipräsidentin zu.

Dennoch sei die Frage erlaubt, was die mit sinkender Wählergunst konfrontierten St. Galler Genossinnen und Genossen mit der Wahl einer radikal linken Person bezwecken wollen – abgesehen davon, dass es derzeit en vogue ist, auf möglichst junges Personal zu setzen?

Wofür steht Andrea Scheck? Forscher Feminismus, schriller Anti-Kapitalismus, harte Rhetorik gegen die bürgerliche Mehrheit im Kanton.

Das finden jene 15 Prozent, die rot wählen, vielleicht interessant. Doch darüber hinaus?

Die hiesige Sozialdemokratie stellt mit Laura Bucher und Fredy Fässler zwar zwei Regierungsräte, die kollegial mitregieren. Doch ausserhalb der Pfalz gebärdet sich die SP als Oppositionspartei.

Das hat zum einen damit zu tun, dass die St. Galler Bürgerlichen tendenziell weiter rechts stehen als im landesweiten Durchschnitt. Die FDP marschiert oft mit der SVP, die CVP ist mehrheitlich konservativ. Zudem fehlt, anders als etwa in Zürich oder Bern, eine starke linksliberale Mitte, die mit der SP zusammenarbeiten könnte. Die Linke bleibt so meist isoliert.

Zum anderen aber hat diese Isolation auch damit zu tun, dass sich die St.Galler Genossen seit Jahren darin gefallen, besonders dogmatisch zu politisieren. Wer regelmässig das SP-Parteiblatt «links» liest, weiss, was das heisst. CVP, FDP und SVP werden darin meist unisono als rechtsbürgerliche Haudegen verunglimpft, die einfach nicht verstehen wollen, was der Kanton braucht. Moderate Köpfe, die auch mal eine Brücke zum Bürgertum bauen könnten, sind Fehlanzeige.

Lieber kämpft die SP auf verlorenem Posten gegen die Aufhebung unrentabler, kleiner Landspitäler. Und lieber wählt sie mit Andrea Scheck eine politische Hardlinerin an die Spitze. Vielleicht gelingt es ja den von der SP gerne belächelten Grünen, sich als vernünftige Alternative zu positionieren. In der für den Kanton so wichtigen Spitalfrage sind von dort jedenfalls deutlich pragmatischere Töne zu hören.