KOMMENTAR: Die Post hat kein Konzept

Wer Prognosen zur Zukunft der klassischen Poststellen in der Ostschweiz wagt, kann nur eines mit Sicherheit sagen: Das Netz wird dünner. Die Post informiert bisher äusserst karg – sie gibt keine Daten zur Entwicklung in den Kantonen preis.

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Das Netz der Poststellen in der Ostschweiz wird dünner. (Bild: Trix Niederau/Archiv)

Das Netz der Poststellen in der Ostschweiz wird dünner. (Bild: Trix Niederau/Archiv)

Nun liefert die Gewerkschaft Syndicom die Quittung für diese Informationspolitik. Ihre Übersicht mag etwas gar pessimistisch anmuten. Doch unabhängig davon, ob sich die Voraussage für die einzelne Poststelle als richtig erweist: Die Listen sind wertvoll, weil sie zeigen, wie tief die Hürden für den weiteren Abbau sind. Von Gesetzes wegen sind noch weniger Schalterfilialen gesichert, als dies die Syndicom-Statistik voraussagt. In der Ostschweiz wären es rund zwölf.

Weil der Minimalwert derart tief liegt, war die Post bisher nicht gezwungen, regionale Szenarien für ihr Netz zu entwickeln. Das bemängelt inzwischen auch die Post-Regulierungsbehörde PostCom: Die Post schliesse Poststellen, wo sich gerade eine Gelegenheit biete, etwa bei der Pensionierung eines Poststellenleiters oder der Kündigung von Räumlichkeiten. In der Tat: So geht das nicht. Auch wenn sich die Bedürfnisse der Kunden geändert haben und das traditionelle Postgeschäft wirtschaftlich unter Druck steht: Die Post muss fair und mit Konzept vorgehen.

Zu Recht fordern PostCom und Gewerkschaft verbindliche regionale Kriterien für die Umgestaltung des Postnetzes. Dass sich der Abbau der Schalterfilialen stoppen lässt, bis eine solche Regelung in Kraft tritt, ist unwahrscheinlich. Doch die Post hat bereits zugesichert, künftig regionale Parameter mit einzubeziehen. Was das genau bedeutet, muss sie erst noch darlegen. Und sie muss den Beweis erbringen, dass sie die aktuellen Gespräche mit den Kantonen über die Zukunft des Postnetzes nicht nur pro forma führt, sondern die dringendsten Bedürfnisse der Regionen auch tatsächlich berücksichtigt.

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch