Kommentar
Die Gemeinde Wattwil pokert im Spitalstreit hoch – und wird dafür geradestehen müssen

Die Nachfolgelösung für das Spital Wattwil ist gescheitert. Das private Pflegeunternehmen Solviva wirft das Handtuch. Die Gemeinde lehnte einen Teil der Rahmenbedingungen von Beginn weg ab – und hat nun andere Pläne: mit der Privatklinik Berit.

Regula Weik
Regula Weik
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Anfang Juni ebnete die St.Galler Bevölkerung an der Urne den Weg zur Schliessung des Spitals Wattwil.

Anfang Juni ebnete die St.Galler Bevölkerung an der Urne den Weg zur Schliessung des Spitals Wattwil.

Bild: Benjamin Manser

Erst der erbitterte Streit um die Spitalschliessung. Nun eine gescheiterte Debatte um die Nachfolgelösung. Die Situation im Toggenburg wirkt für Aussenstehende verwirrlich, unverständlich, chaotisch. Die aktuellen Entwicklungen verstärken diesen Eindruck.

Wenig deutet darauf hin, dass rasch Ruhe einkehren wird. Und das, obwohl zwei entscheidende Fragen geklärt sind. Wattwil verliert sein Spital. Die St.Galler Bevölkerung bestätigte die Spitalschliessung vor wenigen Wochen an der Urne. Und nun: Das private Pflegeunternehmen Solviva ist weg. Es begräbt seine Pläne, nachdem Regierung und Unternehmen in harzigen Verhandlungen mit dem Gemeinderat auf Granit gebissen hatten. Dass der Regierungsrat nicht auf alle Bedingungen Wattwils eingehen würde, war klar.

Der kämpferische Gemeinderat Wattwil hingegen erzielt – aus seiner Sicht – einen Zwischensieg: Er kann die Spitalimmobilie zurückkaufen – ohne juristische Auseinandersetzung mit dem Kanton. Auf die Dienste der Solviva scheint er verzichten zu können.

Kaum ist das private Pflegeunternehmen weg, steht bereits der nächste private Anbieter vor der Tür: Die Gemeinde Wattwil präsentiert bereits die Privatklinik Berit als künftige Partnerin.

Dass die Gemeinde parallel zu den laufenden Verhandlungen Gespräche mit der Ausserrhoder Privatklinik führte, irritiert. Die Ungewissheit für die Patientinnen und Patienten wie auch für die Mitarbeitenden des Spitals wird so zudem noch lange kein Ende nehmen. Denn noch ist völlig offen, welche weiteren Partner die Gemeinde für die neue Nachfolgelösung ins Boot holen kann und wann ihr das gelingt.

Der Gemeinde Wattwil stehen schwierige Verhandlungen ins Haus. Viele mögliche Gesprächspartner dürften der kampflustigen Gemeinde mit Vorsicht begegnen. Der Gemeinderat pokert hoch. Dafür wird er geradestehen müssen.