KOMMENTAR: Die Gemeinde ist mitschuldig an der Eskalation

Linda Müntener
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Baumstumpf auf dem Steinacher Quartierplatz, wo bis vor kurzem zwei Buchen und eine Eiche standen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Baumstumpf auf dem Steinacher Quartierplatz, wo bis vor kurzem zwei Buchen und eine Eiche standen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Norbert Eberle ist der Geduldsfaden gerissen. Weil die Gemeinde Steinach drei Bäume im Quartier Böllentretter trotz mehrmaliger Aufforderung nicht gestutzt hat, hat er die zwei Buchen und die Eiche eigenmächtig fällen lassen. Bei allem Verständnis für den Ärger über behördliche Verzögerungen: Wer drei Bäume auf fremdem Boden fällt, handelt widerrechtlich. Das verdient keinen Applaus, sondern eine saftige Busse.

Dass der Gemeinderat Strafanzeige erstattet, ist richtig. In diesem Fall geht es um mehr als um blosse Sachbeschädigung. Der Anwohner hat nicht nur einfach ein falsch parkiertes Auto zerkratzt oder einen zu hohen Zaun beschädigt. Er hat drei kerngesunde Bäume fällen lassen. Bäume, die jahrelang an Ort und Stelle gewachsen sind. Bäume, die man nicht von heute auf morgen ersetzen kann. Hätte der Anwohner die Bäume lediglich stutzen lassen, wie er es selber von der Gemeinde gefordert hat, könnte man seine Reaktion einigermassen nachvollziehen.

Hier geht es aber längst nicht mehr nur um den Schattenwurf auf eine Solaranlage oder das lästige Laub, das die Anwohner angeblich selber zusammenkehren mussten. Hier geht es auch um die Ohnmacht eines Einzelnen, der sich von den Behörden nicht ernst genommen fühlt. Selbst wenn das Zurückschneiden der Bäume streng juristisch gesehen nicht gefordert werden kann: Werden Bürger immer wieder vertröstet oder gar ignoriert, überrascht es nicht, wenn die Situation früher oder später eskaliert. Für den Gemeinderat, allen voran Gemeindepräsident Roland Brändli, wird diese Posse nicht folgenlos bleiben. Eberles Vorwürfe rufen all jene auf den Plan, die schon vor den letzten Wahlen an Brändlis Stuhl gesägt haben. Denn fest steht: Zu Eberles Überreaktion hat die Gemeinde ihren Teil beigetragen. Diese Fehler muss der Gemeinderat jetzt einräumen. Ruhe wird im Dorf sonst nicht einkehren.