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KOMMENTAR: Depeche Mode sind der Lohn für viel Knochenarbeit

Ein Headliner vom Format von Depeche Mode ist mit Blick auf die Vergangenheit keine Überraschung. Der Auftritt dieser musikalischen Weltmacht ist der Lohn für jahrelange Knochenarbeit, schreibt Andri Rostetter in seinem Kommentar.
Trotz hoher Gage: Die treue Anhängerschaft von Depeche Mode, hier 2013 im Berner Wankdorf, reduziert die Gefahr eines neuen Metallica-Debakels. (Bild: Marcel Bieri (KEYSTONE))

Trotz hoher Gage: Die treue Anhängerschaft von Depeche Mode, hier 2013 im Berner Wankdorf, reduziert die Gefahr eines neuen Metallica-Debakels. (Bild: Marcel Bieri (KEYSTONE))

Für das Open Air St.Gallen ist es der grösste Coup seit Jahren: Headliner bei der 42. Ausgabe ist die britische Band Depeche Mode. Die 1980 gegründete Gruppe ist eine musikalische Weltmacht. Es gibt nur wenige Bands, die die Popkultur in den vergangenen 40 Jahren stärker beeinflusst haben. Unzählige Musiker berufen sich auf Depeche Mode; die Liste reicht von den Pet Shop Boys über Coldplay bis zu Lady Gaga. Dazu kommen 100 Millionen verkaufte Tonträger, Konzerte in den grössten Stadien des Planeten von Rio bis Tokio und eine generationenübergreifende, weltumspannende Fangemeinde. Im vergangenen März veröffentlichte die Band ihr 14. Studioalbum «Spirit» und belegte damit in etlichen Ländern den ersten Platz der wichtigsten Hitparaden, in der Schweiz hielt sich das Album 16 Wochen in den Charts.

Wer die Programmgestaltung im Sittertobel in den vergangenen Jahren beobachtet hat, für den ist die Verpflichtung von Depeche Mode nur bedingt eine Überraschung. Schon 2016 hatte Festivalchef Christof Huber einen Meilenstein gesetzt, als er Radiohead nach St.Gallen holte (die - trotz Kontroverse - eines der anspruchsvollsten und besten Konzerte der letzten Jahre im Tobel gaben). Im Folgejahr wurde das Programm im Vorfeld zwar als unterdurchschnittlich kritisiert, das Festival entpuppte sich dann aber als bemerkenswert gut austariert und musikalisch auf erfreulich hohem Niveau.


Die Verpflichtung grosser Namen im Sittertobel rufen auch immer unselige Erinnerung wach: 1999 spielte Metallica, die teuerste Band, die je am Open Air St.Gallen aufgetreten ist. Das Festival war nicht ausverkauft und fuhr ein hohes Defizit ein. Die Gefahr, dass sich das Debakel wiederholt, ist praktisch ausgeschlossen. Erstens: Das Festivalgeschäft ist professioneller geworden, das Open Air kontrolliert die finanziellen Risiken heute deutlich besser als vor 20 Jahren. Zweitens: Eine Band wie Depeche Mode ist zwar teuer – mutmasslich liegt die Gage im oberen sechsstelligen Bereich. Aber die Briten haben enorm treue Anhänger, gerade in der Schweiz und in Deutschland. Diese Fangemeinde dürfte einen guten Teil der rund 110'000 Tageseintritte aufkaufen.

Ohnehin geht es längst nicht nur um Geld: Grosse Deals wie die Verpflichtung von Depeche Mode brauchen teils Jahre, bis sie spruchreif werden. Die Festivalleitung muss das Vertrauen von Bands, Management und Labels gewinnen, muss mit anderen Festivals kooperieren, damit die Tourpläne aufgehen. Festivalchef Huber und sein Team haben sich dazu in den vergangenen Jahren ein internationales Netzwerk aufgebaut. Depeche Mode im Sittertobel – das ist der Lohn dieser Knochenarbeit.

Andri Rostetter

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