KOMMENTAR: Den Kopf im Sand

Neben dem Fall Ulrich K. sorgt im Thurgau ein zweiter Skandal um einen Bauern für Ärger. Der Kanton stellt mittlerweile auf stumm. "Das ist Vogel-Strauss-Politik", schreibt Peter Exinger, Blattmacher und stellvertretender Chefredaktor der "Thurgauer Zeitung", in seinem Kommentar.

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Die Tageszeitung "Blick" nannte das Anwesen "Gammelhof" – die Gebäude seien in einem maroden und abrisswürdigen Zustand, sagen die Bewohner von Reuti. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Tageszeitung "Blick" nannte das Anwesen "Gammelhof" – die Gebäude seien in einem maroden und abrisswürdigen Zustand, sagen die Bewohner von Reuti. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Seit 2002 gibt es Beschwerden über tierquälerische Zustände auf einem Bauernhof in Reuti. Es sind keine hysterischen Tierschützer, die sich eindringlich zu Wort melden, sondern Einwohner des Dorfes, die einen geregelten, bürgerlichen Lebenswandel pflegen.

Die Behörden führen eine Kontrolle auf dem Hof durch. Verhängen schliesslich ein absolutes Tierhalteverbot. Setzen es aber trotz zweier Bundesgerichtsurteile seit vier Jahren nicht durch. Die Beschwerden um das Wohl der Tiere von Seiten der Einwohner reissen nicht ab.

Seit dem Fall Hefenhofen sind Behörden und Exekutive auf der Hut. Zu viele Vorwürfe mussten sie sich gefallen lassen. Die Aufregung war riesengross.

Jetzt stellt der Kanton auf stumm. Er will den Bericht der Untersuchungskommission abwarten, nicht vorgreifen, keine Fragen mehr im Detail zu weiteren Fällen beantworten. Das ist Vogel-Strauss-Politik.

So kann man das Vertrauen der Bürger vielleicht weiter nachhaltig erschüttern. Festigen kann man es damit nicht.

Peter Exinger
peter.exinger@thurgauerzeitung.ch