Kommentar
Das ist ein kluger Kompromiss: Ja zu längeren Ladenöffnungszeiten in der St.Galler Innenstadt, Nein zum Sonntagsverkauf

Das Stadtparlament stimmt dem Vorschlag der Geschäftsprüfungskommission zu. Die SP ist am Ziel.

Daniel Wirth
Daniel Wirth
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Die liberalisierten Ladenöffnungszeiten gelten seit dem Frühsommer 2020.

Die liberalisierten Ladenöffnungszeiten gelten seit dem Frühsommer 2020.

Benjamin Manser

Der Stadtrat dehnte die Ladenöffnungszeiten in einer von ihm definierten Tourismuszone aus. Er tat dies, weil im Projekt «Zukunft St. Galler Innenstadt» darauf gepocht worden war. Seit Frühsommer 2020 dürften in der Innenstadt Läden auch am Sonntag offenhalten, allerdings brauchen sie dafür eine Bewilligung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Gesuche darum? Mangelware. Kein einziges ging ein. Der Sonntagsverkauf ist in der St. Galler Innenstadt gegenwärtig schlicht kein Bedürfnis.

Gleichwohl sammelten die Sozialdemokraten Unterschriften für die Initiative «Kein Sonntagsverkauf in St. Gallen» Auch der Gewerkschaftsbund stellt sich hinter das Volksbegehren. Der Stadtrat verzichtete auf einen Gegenvorschlag. Er lehnte die Initiative ab. Das Stadtparlament trat im August gar nicht erst auf das Geschäft ein; es gab es zurück an die Geschäftsprüfungskommission um abklären zu lassen, ob der Stadtrat richtig liege mit der Annahme, der Sonntagsverkauf könne rechtlich nicht einfach gestrichen und der Rest der Liberalisierung belassen werden.

Die Geschäftsprüfungskommission kam zum Schluss: Der generelle Sonntagsverkauf kann gestrichen werden, auch wenn die Ladenöffnungszeiten von Montag bis Freitag bis 20 Uhr und am Samstag bis 18 Uhr ausgedehnt bleiben. Das Stadtparlament trägt das mit. Das ist ein kluger Kompromiss, mit dem der Detailhandel und die Konsumentinnen und Konsumenten gut leben können. Die SP täte gut daran, über einen Rückzug ihrer Initiative nachzudenken; es fiele ihr kein Zacken aus der Krone. Die Partei zeigte Grösse.

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