KOMMENTAR: Betrug am Schwägalp-Schwinget: Es braucht mehr Professionalität

Der frühere Finanzchef des Schwägalp-Schwinget soll mehrere hunderttausend Franken veruntreut haben. "In diesem Fall haben die Kontrollmechanismen nicht versagt - sie waren schlicht nicht vorhanden", schreibt Christof Krapf in seinem Kommentar.

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Hosenlupf der anderen Art: Ein Betrugsfall macht den Verantwortlichen des Schwägalp-Schwinget zu schaffen. (Bild: Urs Bucher)

Hosenlupf der anderen Art: Ein Betrugsfall macht den Verantwortlichen des Schwägalp-Schwinget zu schaffen. (Bild: Urs Bucher)

Der Schwägalp-Schwinget ist Opfer seines eigenen Erfolges geworden. Dass der Finanzchef des Bergfestes nahezu 300'000 Franken veruntreuen könnte, war bis vor einigen Jahren undenkbar. Schwingen war damals eine Nischen- und Amateursportart. Das grosse Geld fehlte, auch auf der Schwägalp. Rund ums Sägemehl ging es familiär zu; bei den Sponsoren waren die Bösen nicht erste Wahl.

Die Höhe der Deliktsumme zeigt aber: Anlässe wie der Schwägalp-Schwinget sind längst keine Dorffeste mehr. Die Sportart hat sich vor allem finanziell kräftig weiterentwickelt. Was die Professionalität angeht, hinken die Schwinger jedoch hinterher – nicht unbedingt sportlich, sondern vielmehr organisatorisch.

Mit der Professionalisierung tun sich die Schwinger allerdings schwer. Zu wichtig ist ihnen die Tradition. Es ist trotzdem an der Zeit, dass die Bösen in diesem Punkt über ihren Schatten springen. Ansonsten leidet ihre Glaubwürdigkeit. Die OK von Anlässen in der Grössenordnung eines Schwägalp-Schwinget brauchen professionellere Strukturen. In diesem Fall haben die Kontrollmechanismen nicht versagt – sie waren schlicht nicht vorhanden.

Christof Krapf
christof.krapf@tagblatt.ch