KOMMENTAR: Aufgepasst, Karin Keller-Sutter!

Karin Keller-Sutters wahrer Höhepunkt komme noch, schreibt Chefredaktor Stefan Schmid in seinem Kommentar. Doch auf dem Weg zur Krönung gebe es auch Fallstricke.

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Karin Keller-Sutter nach ihrer Wahl zur Ständeratspräsidentin. Die Wilerin wird als Nachfolgerin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann gehandelt. (KEYSTONE/Alessandro della Valle) (Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))

Karin Keller-Sutter nach ihrer Wahl zur Ständeratspräsidentin. Die Wilerin wird als Nachfolgerin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann gehandelt. (KEYSTONE/Alessandro della Valle) (Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))

Auf den Innerrhoder Ivo Bischofberger folgt nun die St.Gallerin Karin Keller-Sutter. Das Präsidium des Ständerats bleibt in Ostschweizer Hand. Dankeschön, das ist nett. Allzu viel darauf einbilden sollten wir uns freilich nicht. Wichtiger als Symbolik ist die Präsenz im politischen Prozess. Wer die Feinmechanik dieses Landes kennt, weiss: Die eigenen Interessen müssen im richtigen Moment mit den richtigen Partnern am richtigen Ort eingespeist werden. Wer schläft, ist selber schuld. Und die Ostschweiz hat die Tendenz, selbstgenügsam wegzudösen.
Doch zurück zu Karin Keller-Sutter. Für die 53-jährige Wilerin ist das Präsidium der vorläufige Karrierehöhepunkt. Der Applaus ist da, wie bei einem Theaterstück nach zwei von drei Akten.

Doch alle wissen: Der wahre Höhepunkt, der kommt erst noch. Es ist fast ein wenig unheimlich, wie querbeet KKS derzeit in den Schweizer Medien als kommende Bundesrätin, als natürliche Nachfolgerin von Johann Schneider-Ammann gefeiert wird. Sogar die «Weltwoche», vor sieben Jahren das Epizentrum einer wüsten SVP-Intrige gegen die damalige St.Galler Regierungsrätin im Vorfeld ihrer Bundesratskandidatur, bezeichnet KKS mittlerweile als «ungekrönte Königin».
So schmeichelhaft die vielen Lobeshymnen auch sein mögen: Damit kann man sich keine Wahl in den Bundesrat kaufen. Wer überragt, lebt in der Schweiz, wo das Mittelmass gerne zelebriert wird, gefährlicher als anderswo. Von Genosse Neid über die unberechenbaren, parteiübergreifenden Männerseilschaften bis hin zur SVP, welche der freisinnigen Konkurrenz eine potenziell brillante Bundesrätin weiterhin missgönnen könnte. Es gibt sie, die Fallstricke auf dem Weg zur definitiven Krönung. Doch feiern wir zuerst dieses Ständeratspräsidium, das in Ostschweizer Hand bleibt.

Stefan Schmid