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Kommentar: Auch die Kantone sind gefordert

Aktive Rentner gehen jenen Rentnern zur Hand, die Unterstützung brauchen – und sorgen zugleich für den Fall vor, dass sie selber einmal Hilfe benötigen: Alles deutet darauf hin, dass das Pionierprojekt Zeitvor- sorge in der Stadt St.Gallen funktioniert. Noch in kleinem Rahmen, aber immerhin. Eine weitere gute Nachricht ist, dass zugleich in anderen Gemeinden und Regionen der Schweiz ähnliche Systeme heranwachsen. Die Zeitvorsorge wird nur dann eine breite Wirkung erzielen, wenn man das Sparguthaben auch beim Umzug an einen neuen Wohnort mitzügeln kann und die geleisteten Stunden nicht verfallen.

Wenn es um die Frage einer Ausweitung des Modells ging, gaben sich der Bundesrat und auch die St.Galler Regierung bislang bedeckt. Zugleich ist aber klar, dass die Alterskosten massiv zunehmen. In den Ostschweizer Kantonen werden sie sich in den nächsten 30 Jahren mehr als verdoppeln – dies zeigte vor kurzem eine Studie der Hochschule Luzern. Die Ostschweiz ist von der Überalterung stärker betroffen als andere Regionen. Deshalb sollten gerade diese Kantone alles dafür tun, damit sich Modelle wie die Zeitvorsorge gut entwickeln. Klar: Die Zeitvorsorge ist kein Wundermittel gegen den Kostenanstieg. Die Teilnehmer sind zudem kein Ersatz für geschultes Fachpersonal. Aber die Zeitvorsorge ist auch nicht ein blosses «Wohlfühlprojekt», wie böse Zungen vielleicht behaupten würden. Wenn ein älterer Mensch auf diese Weise länger selbstbestimmt leben kann und deshalb erst später (oder gar nicht) in ein Heim muss, hat das direkte positive Auswirkungen auf der Kostenseite. Sie dürften den Finanzbedarf der Zeitvorsorge, etwa für die Sicherung der Guthaben, längerfristig bei weitem übertreffen. Das kann dem Staat nicht egal sein.

Man kann beklagen, dass die klassische Freiwilligenarbeit ohne Entschädigung immer weniger gepflegt wird, und dass der Zusammenhalt über die Generationen hinweg nicht mehr derselbe ist wie früher. Aber Bedauern und Kritik ändern an diesem Zustand wenig. Stattdessen braucht es neue Anreize. Genau hier setzt die Zeitvorsorge an – ein Schritt in die richtige Richtung.

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch

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