Kolumne
Lü: Waschbären und Bäcker sind unerwünscht

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger

Silvan Lüchinger

Bild: Coralie Wenger

Am 7. März wird über die Initiative für ein Verhüllungsverbot abgestimmt. Auch im Kanton St.Gallen hat sich ein überparteiliches Abstimmungskomitee gebildet, das der Initiative zum Durchbruch verhelfen will. Nebst bekannten Namen findet sich einer, den niemand kennt: Nationalrat Maik Egger. Oder verhüllt sich da jemand?

Dieser Tage war in der Umgebung der KVA nächtliches Wolfsgeheul zu hören. Mehrstimmig, wie glaubhaft versichert wird. Die kantonale Jagdverwaltung dementiert jedoch, dass ein Wolfsrudel in der Gegend unterwegs ist. Vielmehr dürfte es sich um Thurgauer handeln, die frustriert sind, dass die Sitzungen des Kantonsrates jetzt auch noch live im Internet übertragen werden.

Der Aufbau des Glasfasernetzes in Mörschwil kann beginnen. In einem Jahr sollen die ersten Kunden von der ultraschnellen Internetverbindung profitieren können. Endlich hat dann auch die Vorortgemeinde von St.Gallen eine schnelle Leitung. Mindestens unterirdisch.

Ideenmangel in Teufen

Oberirdisch oder unterirdisch? Ob dieser Streitfrage ist die neue Linienführung der Appenzeller Bahnen in Teufen seit Jahren blockiert. Aber jetzt kommt Bewegung in die Sache. Ein pensionierter Architekt aus Gais – typischerweise eben kein Einheimischer – legt die Lösung auf den Tisch: sowohl als auch. Ein Zug fährt über dem Boden, einer unter dem Boden. Und in einem nächsten Schritt kann dann jeder Teufner wählen, ob er einen ober- oder einen unterirdischen Privatanschluss will. An Geld hat es in Teufen ja nie gefehlt – nur an guten Ideen.

Bis zu 80 Anrufe hat der Gossauer Chef Strassenunterhalt entgegengenommen. Pro Tag – und die meisten Anrufer haben ihn erst noch beschimpft. Weil zu wenig, zu langsam oder am falschen Ort Schnee geräumt wurde. Es ist offensichtlich: In Gossau hat man aus dem Maskendebakel vom Frühling nichts gelernt. Schneepflüge muss man kaufen und Schneeschaufler muss man einstellen, wenn kein Schnee liegt. Auf Vorrat eben, denn etwa alle 20 Jahre kommt er. Gossau kann sich das leisten.

Selbstlose SVAR-Geschäftsleitung

Ein Waschbär habe in seinem Treppenhaus eine Riesensauerei angerichtet, klagt ein Mann aus Wasserauen. Altes Brot habe er ihm geklaut und Weinflaschen umgeworfen. Zur Strafe wurde das Tier eingefangen und standrechtlich erschossen. Dabei hatte ja vielleicht nur der Wein Zapfen.

Neun Mitglieder der erweiterten Geschäftsleitung des Ausserrhoder Spitalverbundes SVAR haben sich gegen Corona impfen lassen – ohne dass sie an der Reihe gewesen wären. Natürlich war – wie schon beim Bürgermeister von Feldkirch – überzähliger Impfstoff vorhanden, der sonst kaputt gegangen wäre. Überzählige Impfwillige, die zu einer Risikogruppe gehören, gab es auch. Aber wenn sie nicht zur SVAR-Geschäftsleitung gehören, sind die selber schuld.

Hotspot der Kritiker

Eigentlich wollte die Kuhn Back & Gastro AG in Brunnadern ein neues Produktionsgebäude bauen. Dort also, wo die Firma seit mehr als 130 Jahren ansässig ist. Daraus wird nun aber nichts. Anwohner der Gewerbestrasse haben sich so lange gegen den Neubau gewehrt, bis die Bäcker aufgaben. Jetzt suchen sie einen neuen Standort. Brunnadern wird den Abgang von 50 Arbeits- und Ausbildungsplätzen verschmerzen. Ist doch das Neckertal mit Industrie- und Gewerbebetrieben vollgepflastert wie kaum eine andere Region in der Ostschweiz.

Weinfelden ist ein kantonaler Hotspot. Nicht wegen der Ansteckungszahlen, sondern wegen Massnahmekritikern, die sich dort wöchentlich für einen Lichtermarsch im Zentrum treffen. Die Teilnehmer spazieren eine Stunde lang durch Weinfelden und verteilen Flyer. In der Hand tragen sie eine Kerze. Damit sie ein Licht dabei haben, wenn ihnen Corona das Lebenslicht doch ausbläst.