Kolumne
Lü: Die Ostschweiz braucht keinen Lockdown

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger.

Silvan Lüchinger.

Bild: Coralie Wenger

Der Sonnenwirt von Wilen bei Wil erteilt dem Bundesrat Hausverbot – für 30 Jahre. Das heisst, nicht dem ganzen Rat. «Das Verbot gilt für Berset, Sommaruga und Keller-Sutter», sagt der erboste Beizer. Maurer, Parmelin, Amherd und Cassis dürfen also kommen – und den Dreien, die draussen bleiben müssen, etwas bringen. Auch für Sündenböcke ist Take-away erlaubt.

Zwei Männer aus Afrika leben als vorläufig Aufgenommene in Ebnat-Kappel. Doch das Stüssihaus, in dem sie wohnen, ist eine ziemlich schäbige Angelegenheit. Der Gemeindepräsident stellt sich auf den Standpunkt, dass die Gemeinde ihren Auftrag erfülle. Denn das Gesetz garantiert nur eine Unterkunft, aber keine Wohnung. Privatpersonen stellen jetzt für den Winter eine kleine Wohnung zur Verfügung – auf eigene Kosten. Unsinn, finden manche – wären die beiden in Afrika geblieben, hätten sie gratis warm.

Die Eschliker zeigen ihren Abfall

Noch bis Ende Juni 2021 ist Lucas Auer Präsident des Stadtparlaments Arbon. Und Mitglied der CVP. Anschliessend will Auer Präsident des Thurgauer Gewerkschaftsbundes werden. Und Mitglied der SP. Später vielleicht einmal Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes. Und Mitglied der SVP. Auer ist erst 30. Da könnte es dereinst sogar noch für die FDP reichen.

Unterflurcontainer stossen nicht überall auf Begeisterung. So auch in Eschlikon, wo sich der Gemeinderat zum Ziel gesetzt hatte, fünf neue Container pro Jahr zu bauen. Davon ist die Gemeinde aber weit entfernt. Wo immer ein Standort geplant ist, gibt es Widerstand und Einsprachen. Dabei sind die Eschliker nicht grundsätzlich gegen das Entsorgen – aber sie stellen die Säcke lieber an die Strasse. Damit die Nachbarn auch sehen, wer sich noch Abfall leisten kann.

Mumifizierter Olivenbaum ersetzt Kreuz

Die Ostschweizer Kantone sind Hochburgen des Coronavirus. Aber nicht nur das. Seit Beginn der Pandemie haben im Osten auch Botox-Behandlungen massiv zugenommen. Wenn schon infiziert, dann will man zum bösen Spiel wenigstens starre Miene machen.

Das BBC Gossau verschiebt seine Öffnungszeiten. Start ist neu nicht erst um halb fünf, sondern morgens um neun. Aber nicht nur das. Zwischen neun und zwölf gibt es auch zwei Bier für eins. Getreu der Coronadevise: Hoch die Tassen – am Mittag sind wir voll.

Ein Kreuz passt angeblich nicht in den Chorraum der evangelischen Kirche Bussnang. Der Kirchenrat will daher dort einen Olivenbaum aufstellen. Einen mumifizierten mit echtem Stamm und künstlichen Blättern. Halten soll das Unikum 10 bis 20 Jahre und kosten 15 000 Franken. Das wäre auch billiger zu haben. Nach Neujahr einfach den Christbaum stehen lassen – der mumifiziert auch.

Schwellbrunn abriegeln reicht

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden will auf dem Areal des Ausbildungszentrums Bächli in Teufen ein Provisorium für Auto- und Motorradprüfungen einrichten. Dies, nachdem St.Gallen die Zusammenarbeit am bisherigen Standort in Winkeln wegen Eigenbedarf gekündigt hat. Einigen Anwohnern ist dieses Vorhaben ein Dorn im Auge. Vordergründig wegen des Mehrverkehrs, den die Prüfstelle mit sich bringt. Tatsächlich wohl eher, weil sie die Fahrprüfung schon haben.

Zuerst die Corona-Hochzeit in Schwellbrunn. Dann der Schwellbrunner Wirt, der die Polizei rufen muss, weil er johlende Gäste nicht aus der Beiz bringt. Die Ostschweiz braucht keinen Lockdown. Schwellbrunn abriegeln reicht.

Die Thurgauer Regierung hat kein Verständnis dafür, dass nach dem Willen des Bundesrats Tattoo-Studios und Erotikbetriebe weiterhin geöffnet sein sollen. Diese seien verhältnismässig unwichtig. Die Bevöl­kerung könne einige Wochen ohne diese Dienstleistungen auskommen, heisst es aus Frauenfeld. Keine Ahnung vom Leben, diese Regierung.