Kolumne
Lü: Des Nachts wenn i heim soll gehn

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger.

Silvan Lüchinger.

Bild: Coralie Wenger

Der FC Basel hat sein Heimspiel gegen den Aussenseiter Vaduz verloren – und sein Spieler Afimico Kalulu musste sich vom Spielfeldrand den Zuruf anhören, er sei wohl einmal Bananenpflücker gewesen. Von links bis rechts ist man sich einig: Das war rassistisch. Damit ist wohl auch klar, dass der Thurgauer Goalie Marwin Hitz nie zum FC St.Gallen zurückkehren wird. Oder wäre «Apfelpflücker» etwa nicht rassistisch?

Von den Nacktwanderern im Alpstein ist kaum mehr etwas zu hören. Möglicherweise sind sie alle erfroren. Oder sie haben die Sportart geändert. Am Ostersonntag jedenfalls war auf dem Untersee der erste Nackt-Stehpaddler zu beobachten. Sollten sich die Beobachtungen häufen, werden die Behörden die neue Bewegung hoffentlich aufgreifen und ein Nackt-Impfzentrum in Betrieb nehmen.

St.Galler Schulklassen dürfen ins Museum – aber nur, wenn dieses in ihrer Gemeinde steht. Stadtsanktgaller Schulklassen dürfen das auch – aber Führungen gibt es für sie nicht. Sie müssen mit einem Fragebogen oder mit Infoblättern vorliebnehmen. Schulklassen aus gewissen Kantonen dürfen auch Museen in anderen Kantonen besuchen und dort eine Führung geniessen. So besuchten am vergangenen Gründonnerstag 83 Schulkinder aus Chur den Stiftsbezirk St.Gallen und erhielten, aufgeteilt in vier Gruppen, Führungen durchs Weltkulturerbe. Das ist schon recht so. Irgendwo müssen ja auch die Bündner Kinder mit Kultur in Berührung kommen.

Die Thurgauerin Rahel Truniger hat eine App entwickelt, mit der sich Botschaften in die Zukunft verschicken lassen. Das eröffnet neue Möglichkeiten. Kein Geburtstag geht mehr vergessen, und seinen Freunden kann man bereits jetzt für 2025 ein gutes neues Jahr wünschen. Für Leute, die man weniger mag, lässt sich die App allerdings auch nutzen. Man kann ihnen im Jahr X einen Tritt in den Hintern verpassen, ohne dass sie einen noch erwischen können.

Die Brauerei Feldschlösschen und das Verlagshaus Ringier engagieren sich für den Wald der Zukunft. Wer eine Büchse «Uszit»-Bier kauft, spendet damit fünf Rappen für ein Umweltprojekt. Auch der WWF hat sich ins Marketing einspannen lassen. Wahrscheinlich wurde ihm vorgegaukelt, aus jeder vergrabenen grünen Büchse wachse direkt ein Baum.

«Zurück in der Vergangenheit. So fühlte es sich für Mona Vetsch an, als die Thurgauer Moderatorin für ihre Sendung «Mona mittendrin» den Appenzeller Landtierarzt Tobias Fritsche begleitete. Denn aufgewachsen ist die 45-Jährige in Hattenhausen in der Gemeinde Wäldi als Bauerntochter an der Seite von Kühen, Schweinen und Katzen.» Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Thurgauer Kinder bei den Tieren im Stall schlafen mussten.

Nicht nur die Wirte drängen auf die Öffnung ihrer Lokale. Auch den Gästen wird es zunehmend weh ums Herz, wenn sie all die geschlossenen Terrassen und Gartenwirtschaften sehen. Nun, die Erlösung scheint nah. Auch auf dem lauschigen Rorschacher Lindenplätzli sollen bald wieder Durstige bedient werden dürfen. Dem Vernehmen nach allerdings nur bis abends um sieben. Für den Rest der Nacht will der Stadtrat den Lindenplatz wie die übrige Innenstadt der Friedhofzone zuschlagen.