Kolumne

Lü: Da werden nostalgische Gefühle wach

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger.

Silvan Lüchinger.

Bild: Coralie Wenger

Bis Ende April 2016 waren die Protokolle der Kommissionen des Thurgauer Grossen Rates öffentlich einsehbar. Seit Inkrafttreten der neuen Geschäftsordnung des Grossen Rats ist es mit dieser Form von politischer Transparenz vorbei. 2019 sagte die Thurgauer Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit Ja zur Einführung des Öffentlichkeitsprinzips. Geht es nach der Regierung, sollen die Kommissionsprotokolle aber davon ausgenommen sein. Da werden nostalgische Gefühle wach – an Zeiten, zu denen der Thurgau seine Bürger noch für voll genommen hat.

Was der einen ein Lebenstraum, ist den anderen ein Horn im Auge. Rentierhaltung in der Mistelegg bei Hemberg kommt für den WWF nicht in Frage. Nicht zonenkonform wäre das, meinen die Naturschützer, und der nötige Zaun würde erst noch den Wildwechsel beeinträchtigen. Eine Ausnahme hätte der WWF einzig für sein Wappentier gemacht, den Grossen Panda. Aber für den wächst in der Mistelegg zu wenig Bambus.

Thurgauer Dialekt unerwünscht

Die Amriswiler Schwimmbadsaison 2021 startet voraussichtlich am 9. Mai. Saisonabos können aber bereits ab kommendem Montag bezogen werden. Neu findet der Vorverkauf ausschliesslich am Infoschalter im Stadthaus statt. Weil man dort am besten weiss, wie es ist, mit Plänen baden zu gehen.

456 Personen wollen nicht, dass die neue Uzwiler Eishalle von den Farben Grün und Gelb dominiert wird. Da könnte man nämlich auf die Idee kommen, dass es sich um eine Thurgauer Halle handle. Eine nächste Petition wird verlangen, dass Thurgauerinnen und Thurgauer in der Halle das Maul halten müssen. Nebst den Farben ist in der Uzwiler Eishalle auch der Thurgauer Dialekt unerwünscht.

Wirt vermisst Luxus in der Gefängniszelle

In Alt St.Johann laufen die Vorarbeiten zur Räumung des Pfarrhauses und des Pfarreisaals. Am 23. Januar wird deshalb beim Pfarrhaus ein Holtag durchgeführt. Alle Gegenstände, für die keine Verwendung vorgesehen ist, können mitgenommen werden. Die Küchen und Gegenstände aus dem Bad dürfen nach Absprache demontiert werden. Für den Pfarrer ist eine Verwendung vorgesehen.

Statt eine Busse zu zahlen, wollte ein Weinfelder Wirt sie im Gefängnis absitzen. Statt nach zwölf Tagen war er aber bereits nach wenigen Stunden wieder draussen. Die Zelle sei ihm zu versifft und genüge seinen Ansprüchen nicht, erklärte er. Dann lieber zahlen. Hätte ihn die Polizei in seinem vor dem Gefängnis parkierten Maserati schlafen lassen, wäre er vielleicht geblieben.

Dankbarkeitszuschlag für Reiche

Dass in Mühlehorn ein Mann nur sein Boot einwassern wollte, das Auto aber an Land bleiben sollte, ist ein Missverständnis. Mutierte Viren verlangen mutierte Schutzmassnahmen. Auch im eigenen Auto ist nur noch sicher, wer geimpft ist und unter Wasser fährt.

Die St.Galler SP wehrt sich gegen das angekündigte Sparpaket. «Stattdessen soll der Kanton eine zeitlich begrenzte «Solidaritätsabgabe» auf hohe Einkommen und/oder Vermögen einführen – zur Finanzierung der Coronapandemie. Das ist ein guter Ansatz, der sich zweifellos noch verfeinern lässt. Reiche, die bisher von Corona verschont blieben, sollen einen Dankbarkeitszuschlag zahlen. Reiche mit Covid, aber ohne grobe Symptome, zahlen mehr, weil sie Glück gehabt haben. Reiche mit schweren Folgen, die knapp davonkommen, sollen alles abgeben – sie hätten es eh nicht mitnehmen können.