Kantonsgericht

Kollege der Ex-Freundin bewusstlos geschlagen: Landesverweisung für 40-jährigen Serben

Das Kantonsgericht St.Gallen verurteilt den Mann zu 22 Monaten Haft und fünf Jahren Landesverweisung. Er selber sieht die Schuld nicht bei sich und meint, sich nur gewehrt zu haben.

Claudia Schmid
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Das Kantonsgericht St.Gallen verurteilt den Mann zu 22 Monaten Haft und fünf Jahren Landesverweisung.

Das Kantonsgericht St.Gallen verurteilt den Mann zu 22 Monaten Haft und fünf Jahren Landesverweisung.

Symbolbild: Ralph Ribi

Dem Mann wurde unter anderem vorgeworfen, dass er dem Kollegen seiner Ex-Freundin mehrfach ins Gesicht geschlagen hat. Als er an einem anderen Tag mit einem Bekannten aneinandergeriet, soll er ihm Faustschläge versetzt und später mit dem Fuss gegen den Kopf des am Boden liegenden gekickt haben. Das Opfer war danach bewusstlos. Weiter wird ihm vorgeworfen, dass er Polizisten bespuckt und beleidigt sowie Mitarbeitende der Transportpolizei angegriffen hat.

Im März dieses Jahres hatte das Kreisgericht Wil den serbischen Staatsangehörigen unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, zu einer Geldstrafe und zu einer Busse verurteilt. Es ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme an und sprach eine Landesverweisung für die Dauer von acht Jahren aus. Dieses Urteil akzeptierte der Beschuldigte nicht. An der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St.Gallen verlangte er von den meisten Vorwürfen einen Freispruch. Er sei einzig wegen Hausfriedensbruch und versuchter Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zu einer bedingten Geldstrafe von nicht mehr als 120 Tagessätzen zu verurteilen. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der Berufung.

Sich lediglich gegen Angriffe gewehrt

Bei den Schlägereien habe er sich lediglich gewehrt, erklärte der Beschuldigte während der Befragung durch den vorsitzenden Richter. Vom Bekannten sei er gewürgt und mehrfach geschlagen worden. Da habe er Panik bekommen und deshalb zurückgeschlagen.

Auf seine mehreren Vorstrafen angesprochen, erzählte er von schwierigen Familienverhältnissen, die dazu geführt hätten, dass er freiwillig ins Heim habe gehen wollen. Er und seine Familie kamen in die Schweiz, als er neun Jahre alt war. Müsse er die Schweiz verlassen, habe er keine Ahnung, wohin er gehen solle. Der Verteidiger erklärte, Videoaufnahmen zeigten klar, dass sein Mandant bei der Schlägerei mit dem Bekannten zuerst angegriffen worden sei und er sich lediglich verteidigt habe. Aufgrund seiner psychischen Einschränkung habe er panisch und nicht überlegt auf den Angriff reagiert. Ein psychiatrischer Gutachter hatte unter anderem eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und schizophrene Züge diagnostiziert.

Strafmass der Vorinstanz abgemildert

Der Staatsanwalt beantragte die Abweisung der Berufung. Auffällig sei, dass sich der Beschuldigte stets als Opfer sehe. Dem sei nicht so. Auf den Videoaufnahmen sei klar zu sehen, wie massiv er auf seinen wehrlos am Boden liegenden Kontrahenten einschlage und eintrete. Das Kantonsgericht St.Gallen milderte das Strafmass der Vorinstanz ab, sprach den Mann aber nur in einem Anklagepunkt frei. Es verurteilte ihn wegen schwerer und einfacher Körperverletzung Hausfriedensbruchs mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Beschimpfung, Übertretung gegen das Bundesgesetz über die Sicherheitsorgane der Transportunternehmen im öffentlichen Verkehr und der Missachtung einer polizeilichen Anordnung.

Als Strafmass legte das Gericht eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 10 Franken und eine Busse von 200 Franken fest. Es ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme an und sprach eine Landesverweisung von fünf Jahren aus, die im Schengener Informationssystem ausgeschrieben wird.